Kleine Kreise.

Die Kreise werden kleiner. Sie waren groß, einst, so groß, dass man sich darin verlor. Eine riesige Fläche. Stand man am Rand, konnte man die gegenüberliegende Seite nicht sehen. Nur die riesige Fläche. Und sich selbst, wie man in den Weiten versickerte. Man trat hinaus aus dem Kreis. Man trat wieder hinein. Der Kreis war … Weiterlesen Kleine Kreise.

Die entfärbte Welt.

Die Wiesen sind nicht mehr grün, die Magnolien nicht mehr rosa, der Himmel ist am Tag nicht mehr blau und an lauen Abenden weder orange noch violett, und wenn er sich schneidet, rinnt das Blut tiefschwarz über die Haut. Seine Welt ist entfärbt, und was bleibt, sind Schwarz und Weiß und Schattierungen von Grau. Er … Weiterlesen Die entfärbte Welt.

Ein Gemälde.

Sie steht vor der Staffelei und starrt auf die Leinwand, den Pinsel noch in der Hand. An den Borsten hängt ein Tropfen Farbe, der nach unten drängt, sich zu lösen versucht und schließlich zu Boden fällt, vor ihren Füssen zerschellt, ein Klecks wie ein Mahnmal. Sie betrachtet ihr Werk, dieses Abbild ihrer selbst. Das ist … Weiterlesen Ein Gemälde.

Sie liegt.

Sie liegt schlecht in der Zeit, liegt auf der Lauer und auf einem seltsamen Ding, sie legt sich quer und die Karten auf den Tisch, und eigentlich liegt es ihr nicht, die Hände in den Schoss zu legen, sie legt es meistens darauf an, sich ins Zeug und eine grundlegende Hingabe an den Tag zu … Weiterlesen Sie liegt.

Alles rauscht vorbei.

Sie sitzt im Zug und ist trotzdem nicht da. Sie blickt auf die Landschaft vor dem Fenster, und alles rauscht vorbei, doch sie sieht etwas anderes. Ihr Leben war gut, unter dem Strich, den sie am immer näher rückenden Ende ziehen müssen wird. Es war ein Leben. Ausreichend gefüllt mit den Dingen, die es ausmachen, … Weiterlesen Alles rauscht vorbei.

Bewaffnet entwaffnet.

Schwarzes Metall, ein matter Glanz, das Licht des Tages in Blau und Grau gekleidet. Er kniet auf dem verkrusteten Boden, sein Blick folgt dem Lauf der Waffe, die auf ihn gerichtet ist. Während er sich wundert, wie perfekt und gerade die Linien des Gewehres gezeichnet sind, sickert eine einzelne Träne aus dem Winkel seines Auges, … Weiterlesen Bewaffnet entwaffnet.

Die dritte Person.

Sie weiß, dass man vorwärts schauen muss. Dass man kämpfen muss. Dass man all die Tränen und bitteren Pillen schlucken muss. Sie weiß, was man tun muss, um mit der Zeit Schritt halten zu können, doch sie weiß auch, dass dieses «man» in der dritten Person steht, sie selbst aber in der ersten. Wenn sie … Weiterlesen Die dritte Person.

Das Fehlen.

Der Frühling kommt. Die Blumen beginnen zu sprießen, die Vögel singen schon beim ersten Licht des erwachenden Tages, alles blüht auf, die Natur und die Menschen, vor allem die Menschen. Man lacht wieder mehr. Die Haut hängt nicht mehr so schwer an den Knochen, die Schultern und Gesichtszüge entspannen sich. Und während das Leben mit … Weiterlesen Das Fehlen.

Grund und Boden.

Das Leben war dort draußen, die Stunden hingen in den Räumen, die Tage schlichen achtlos und müde über die Fassaden der Welt, als sie aufhörte, sich zu behaupten und zu erklären. Betäubt lief sie los, hinaus aus dem Haus und der Stadt und hinein in den Wald, hinein in das Feuchte und Dunkle, das Ungewisse. … Weiterlesen Grund und Boden.

Die Fackel hoch.

Am Anfang war alles so einfach, so widerstandslos, jeder Schritt war ein Schritt nach vorne, hinein in eine Verheißung, die sich jeden Tag aufs Neue erfüllte, und die Sonne schien ihr warm in den Rücken, die Sonne schien ihr warm ins Gesicht, dann blinzelte sie jeweils kurz, und alles blieb sich gleich, blieb gleich gut, … Weiterlesen Die Fackel hoch.

Zwischen den Halmen.

Sie haben die Möbel vor das Heim gestellt, auf die Wiese mit den Unmengen an Hundekot, und vielleicht ist einer der Männer mit den schweren Stiefeln in ein solches Häufchen getreten, aber nur vielleicht. Was von ihrem Leben übriggeblieben ist, steht nun zwischen den Halmen, und ihr Atem liegt noch über den Dingen, wie ein … Weiterlesen Zwischen den Halmen.

Im Garten.

Wir wachsen wie Bäume nach oben, aber nie über uns hinaus, obschon wir gerne würden, und irgendwann kommen wir nicht mehr höher, wir verharren, wie sehr wir uns auch strecken, wir wären gerne größer und mächtiger, um weiter sehen und uns den Stürmen widersetzen zu können, uns nicht beugen zu müssen, doch wir schwanken, wir … Weiterlesen Im Garten.

Drei Bilder.

Ankommen. Sie knöpft mit leicht zitternden Fingern sein Hemd auf und spürt gleichzeitig die Wärme seiner Hände auf ihrer nackten Haut. Er öffnet den Verschluss ihres Büstenhalters und streift ihn ab, berührt mit seinen Lippen sanft ihre Brustwarzen, was sie kaum merklich zusammenzucken lässt. Nach einem kurzen Räuspern zieht sie ihn zu ihrem Bett, legt … Weiterlesen Drei Bilder.

Hiroshima.

Da ist dieses Mädchen namens Hiroshima, obwohl, ein Mädchen ist sie nicht, sie ist eine junge Frau, eine durchaus attraktive, faszinierende Frau, doch einerseits ist sie trotzdem ein Mädchen, wird es immer bleiben, während sie andererseits viel zu früh aufhören musste, eines zu sein, und nun ist sie weder das eine noch das andere, eine … Weiterlesen Hiroshima.

Schall und Rauch.

Sie sitzt am Fenster, ein Dröhnen in den Ohren, von der Stille und all den unbeantworteten Fragen, ein Rauschen aus klingender Vergangenheit, das Lachen und das Schluchzen, das berstende Geschirr und die leisen Schritte auf Parkett, alles aufgelöst im Widerhall der Zeit, eine Zeit, die alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt, jede … Weiterlesen Schall und Rauch.

Ruhepuls.

Jeder Zoo ist ein Abenteuerland, jedes Einkaufszentrum ein Erlebnispark, jedes Tanzlokal ein Partytempel, jede Bahnfahrt eine unvergessliche Reise. Kaum ein Aspekt des Lebens wird nicht mit dem Versprechen aufgeladen, das Sein entscheidend zu bereichern. Und während wir den einzigartigen Momenten nachjagen wie hungrige Hunde, gerinnen jene Situationen, in welchen nichts Zählbares oder Erzählbares geschieht, zu … Weiterlesen Ruhepuls.

Das Leben, ein Haus.

Jeder Mauerstein erzählt von der Zeit und den Dingen, die sie mit sich trug. Jeder Dachziegel ist Zeuge der Jahreszeiten, der kalten Winde und der heißen Sommertage. Die Wände, sie zeigen ihre Wunden, die Holzbalken ächzen hin und wieder unter dem Gewicht, und der Boden, er knarrt an gewissen Stellen ob des Drucks. Das Haus, … Weiterlesen Das Leben, ein Haus.