Wirklich sehr gut.

Sie steht da, inmitten von lachenden Menschen, alle unterhalten sich über Triviales und Banales, alles wirkt luftig und leicht, nur bei ihr scheint die Schwerkraft stärker, die Schultern hängen, ihr Körper trägt ein unsichtbares Gewicht, und man könnte annehmen, ihre Füße würden tiefe Dellen im Boden hinterlassen, wenn sie einen Schritt zur Seite täte, und … Weiterlesen Wirklich sehr gut.

Der Konsul von Gambia.

Er hatte ein kleines Unternehmen aufgebaut, und als Kraft und Motivation allmählich schwanden, legte er es in die Hände seines Sohnes, der es in seinem Sinne weiterführte. Der Vater, er war von ruhelosem Geist, auch wenn sich dies nie in aufdringlicher Weise zeigte. Er wirkte stets besonnen und geduldig, würdevoll. Nach dem beruflichen Rückzug konzentrierte … Weiterlesen Der Konsul von Gambia.

Ein Napf aus hellblauem Plastik.

Ein Stück Papier liegt auf dem Tisch, zerknüllt zu einer zerfurchten Kugel, und er faltet die Kugel auf, die Welt wird flach, die herausgerissene Seite eines Tagebuchs oder Notizbuchs, kleine Buchstaben stehen gedrängt, offensichtlich in hastiger Manier verfasst, aber nicht ohne Sorgfalt, nicht ohne Eleganz, und bei genauerem Betrachten der geschwungenen Linien offenbart sich eine … Weiterlesen Ein Napf aus hellblauem Plastik.

Rotkehlchenküken.

Manchmal vergisst er tatsächlich, wie gut er ist. Gut, natürlich ist er nicht immer gut, aber wenn er gut ist, dann so richtig. Dann rettet er all die armen Robbenbabys und gestrandeten Finnwale, und wenn ein Rotkehlchenküken aus dem Nest fällt, dann päppelt er es auf, richtet eine hübsche Kartonschachtel ein und füttert es und … Weiterlesen Rotkehlchenküken.

Kleptomane.

Eigentlich müsste ich ihn hassen, ihn zutiefst verabscheuen, müsste ihn verdammen für die Dinge, die er tat, und für die Dinge, die er unterließ. Er ist ein Räuber, ein Dieb, er hat gestohlen wie ein Kleptomane. Auch Geld. Auch Sachwerte. Aber vor allem Möglichkeiten. Zeit. Leben. Vor allem Leben. Jeden Tag blickte er mir in … Weiterlesen Kleptomane.

Der Rebell.

Die Straße überquert er erst, wenn die Ampel in tiefstem Grün erstrahlt, und wenn die Ampel defekt ist, wird er sehr unsicher und zittert ein wenig. In seinem Kühlschrank sind zehn Thermometer an verschiedenen Stellen, und die Lebensmittel lagert er nur in jenen Bereichen, in welchen die Temperatur für das entsprechende Gut ideal ist. Manchmal … Weiterlesen Der Rebell.

Zwischen den Stühlen.

Ihr Freund übergibt sich auf den Teppich, und sie ist entzückt, denn die zähe Masse aus Lebensmittelderivaten und Lagerbier ist in beeindruckender Form. «Oh, Schatz, schau!» japst sie begeistert. «Du hast ein Herz gekotzt! Das sieht doch aus wie ein Herz, oder?» Er nickt müde, doch er sagt nichts, es käme wohl nichts Gutes dabei … Weiterlesen Zwischen den Stühlen.