Pizza.

Natürlich sind Frauen auch nur Menschen, sagt er. Aus dem Zusammenhang gerissen ließe sich seine Aussage vielleicht sogar als relativierendes, positiv gemeintes Verdikt deuten, wenn man den unbedingt möchte. Aber der Zusammenhang ist da, er ist unvermeidlich. Denn vor und nach diesem Satz bezeichnet er Frauen wahlweise als dumm, einfältig, hysterisch, billig oder fies; er … Weiterlesen Pizza.

Tom Linde Elendiger Ficker.

Es ist der letzte Tag im Leben dieser Parkbank, doch abgesehen von einigen Mitarbeitenden der Stadtverwaltung ist dies bisher niemandem bekannt, auch die Parkbank selbst weiß nicht, was ihr blüht, was jedoch in der Natur der Sache liegt, schließlich mangelt es Parkbänken grundsätzlich an kognitiven Fähigkeiten, und eigentlich ist es auch falsch, vom letzten Tag … Weiterlesen Tom Linde Elendiger Ficker.

54 Textfragmente für Glückskekse.

Für die Kulturlandsgemeinde 2017 in Herisau unter dem Motto «grösser glücklicher gerechter» entstanden 54 Textfragmente, die sich im weitesten Sinne mit Glück, mit Optimierungen, mit Lebenskunst und Fragestellungen auseinandersetzten. Die Texte wurden dem Publikum in Form von Glückskeksen serviert. *** 27 Glückskekse stellen das Glück in Frage. Wie viel Wahrheit braucht das Glück? Wann haben … Weiterlesen 54 Textfragmente für Glückskekse.

Die Glühbirne im Kühlschrank.

Ich wäre ein schlechter Vergewaltiger, sagt er, unaufgefordert, und das ist befremdend. Wenn jemand explizit danach gefragt wird oder sich ein Gespräch in diese Richtung entwickelt, ist eine solche Aussage wohl zumeist spontan und unüberlegt, unreflektiert. Wer diese Wörter jedoch ohne konkrete Aufforderung seinem Mund entweichen lässt, hat sie zuvor offensichtlich bereits sortiert und zurechtgelegt, … Weiterlesen Die Glühbirne im Kühlschrank.

Hinter dem Haus.

Er ist wohl gar nicht so alt, wie man im ersten Moment vermuten mag, vielleicht ist er fünfzig, womöglich sogar jünger. Doch er wirkt alt, alles an ihm gemahnt an die Unerbittlichkeit der Zeit, und wäre er ein Haus, würde der Wind durch die Löcher in seinen dünnen und brüchigen Wänden pfeifen. Natürlich fragt man … Weiterlesen Hinter dem Haus.

Dieffenbachia.

Nein, er würde es nicht Liebe nennen. Nicht unbedingt, weil er nicht so empfindet; er tut es, er liebt, durchaus. Aber die Leute lassen sich in diesem Zusammenhang schnell in falsche Vermutungen und Argwohn treiben, wenn von Liebe die Rede ist. Trotzdem, er liebt sie, seine Dieffenbachia. Vielleicht sollte er doch von Liebe sprechen. Aber … Weiterlesen Dieffenbachia.

Perpetuum Mobile.

Irgendwann fragte die Therapeutin, ob er gerne Musik höre. Pino antwortete, dass er sich nie viel aus Musik gemacht habe. Musik sei für ihn ein wenig wie Straßenverkehr. Nebengeräusch. Die Therapeutin begann dann zu schwärmen, von Tom Waits, vom Penguin Cafe Orchestra, von Nina Simone. Pino kannte diese Namen nicht. Noch nicht. Eigentlich wusste er, … Weiterlesen Perpetuum Mobile.