Lehrer Herrmann.

Die Kinder, sie mögen Lehrer Herrmann. Er hat zwei Männer im Namen, den Herrn und den Mann. Seine Augen sind ganz klein, doch manchmal, wenn er redet, werden sie riesig groß, dann sieht es so aus, als würden sie gleich aus ihren Löchern kullern. Lehrer Herrmann wird nie laut, er ist immer freundlich, er macht … Weiterlesen Lehrer Herrmann.

Was sie sagen.

A. sagt, dass sie von M. sexuell genötigt worden sei. Vor mehreren Jahren habe er sie in seinem Büro gezwungen, sich nackt auszuziehen. Sie habe sich zunächst geweigert, doch M. habe ihr gedroht und sei handgreiflich geworden. Aus Angst habe sich A. schließlich ausgezogen, woraufhin sich M. selbst befriedigt habe. B. sagt, es sei schon … Weiterlesen Was sie sagen.

Die Geschwüre.

Er kennt seine Nachbarn, und die meisten unter ihnen findet er in Ordnung; gute Leute, anständige Leute, kein Gesindel. Trotzdem hat er sein Grundstück mit alten Gitterstangen und Steinmauern eingezäunt. Auf diesem sicheren und geschützten Grundstück steht sein sicheres und geschütztes Haus, und in seinem sicheren und geschützten Haus hockt er, sicher und geschützt. Häufig … Weiterlesen Die Geschwüre.

Stimmbänder.

Wenn er in den Keller geht, dann nicht zum Lachen, sondern meistens, um seine Stimmbänder zu trainieren. Es geht ihm nicht um Klangfarbe oder Intonation, das Timbre ist ihm egal, überhaupt ist er ein furchtbarer Sänger. Trotzdem arbeitet er an seiner Stimme, damit sie möglichst lautstark wird. Lautstärke ist alles, findet er. Er sagt Dinge … Weiterlesen Stimmbänder.

Keine wirkliche Geschichte.

An einem Dienstagabend im Januar konnte man auf einigen Nachrichtenplattformen im Internet die Meldung lesen, dass in Kalifornien eine Schießerei in einem Militärkrankenhaus im Gange sei. Ein aktiver Schütze sei im Gebäude unterwegs, Angestellte und Patienten sollen sich verstecken, wegrennen oder kämpfen. Mehr sei derzeit nicht bekannt. Es hätte eine wirkliche Geschichte werden können. Nicht … Weiterlesen Keine wirkliche Geschichte.

Ein Sack Reis.

«In China hat man vor den Olympischen Spielen 2008 etwa eineinhalb Millionen Menschen vertrieben, weil man dort, wo sie wohnten und beheimatet waren, eine Sportanlage bauen wollte.» Man weiß nicht, weshalb sie dies erzählt. Niemand sprach gerade von derlei Dingen. Die Diskussion drehte sich um Banales und war eigentlich gar keine Diskussion, sondern ein unkoordiniertes … Weiterlesen Ein Sack Reis.

Teenager.

Man sitzt im Zug und liest, eher von Langeweile denn von Interesse getrieben, eine Zeitschriftenkolumne, verfasst von einem Herrn, dessen Jugendjahre offensichtlich unter dickem Staub vergraben liegen, denn genau darüber schreibt er, über die Jugendjahre, nicht über seine eigenen, sondern über jene der Menschen, die sie gegenwärtig erleben, und jeder Satz schreit förmlich nach größtmöglicher … Weiterlesen Teenager.

Salbe.

Man geht wegen Rückenschmerzen zum Arzt, und dieser stellt einige Fragen, macht einige Tests, verschreibt dann einige Medikamente und eine Salbe, und bei der Salbe hat man zwei Produkte zur Auswahl, eine rote Tube mit trivialen grafischen Symbolen und eine blaue Tube mit grünen Pflanzen, und man denkt, dass die blaue Tube mit den grünen … Weiterlesen Salbe.

Brennende Dungklumpen.

Er wird eigentlich nicht wütend auf andere Menschen. Andere Menschen sind eben anders, sind anders als er selbst, darum heißen sie andere Menschen. Wären alle Menschen gleich, wären ihm alle Menschen gleich, wären ihm einerlei und egal. Und das wäre bedauerlich. Leben und leben lassen, jeder nach seiner Fasson, Tierchen, Pläsierchen, man kennt das ja, … Weiterlesen Brennende Dungklumpen.

Gleich verschieden.

Wir sind alle gleich, doch wir sind alle gleich erzürnt, sobald jemand anders ist. Wir wären so gern einzigartig und finden es eigenartig, wenn jemand andersartig ist. Wir wollen Grenzen überschreiten, doch wir setzen Grenzen, wer die Grenze zu uns überschreiten darf. Wir gestatten jedem seine Meinung, doch wer unsere Meinung nicht teilt, dem sagen … Weiterlesen Gleich verschieden.

Einfache Grunzlaute.

Manchmal legen sich Dinge quer in der Zeit, verheddern sich in den Strukturen der Welt, werfen Fragen auf. Sie zu beantworten oder es zumindest zu versuchen, wäre ein komplexer, mühseliger und mitunter langwieriger Prozess, den wir offensichtlich scheuen, denn unsere Antworten sind kurz und simpel, es sind eigentlich gar keine Antworten, sondern unzureichende Grunzlaute, Reaktionen … Weiterlesen Einfache Grunzlaute.

Brüste zum Kotzen.

Ein typographischer Faustschlag. In grossen Lettern stellt eine der auflagenstärksten Zeitungen des Landes die brennende Frage, ob ein semiprominentes Model zu flach sei, also zu kleine Brüste habe. Auch in mir flammt eine Frage auf, ich überlege, welcher Aspekt in mir den grössten Brechreiz auslöst. Dass der Körper einer Frau zum Gegenstand einer öffentlichen Diskussion … Weiterlesen Brüste zum Kotzen.

Seinung.

Sie kostet nichts, obwohl sie wertvoll ist, und dennoch wollen sich viele Menschen keine leisten. Das ist natürlich verständlich. Es bereitet Mühe, eine zu gestalten, zahlreiche Aspekte sind zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Wer schliesslich eine hat, spürt schnell den Gegenwind im Gesicht, dem es zu trotzen gilt, stösst auf Widerstände, die sich nur mit … Weiterlesen Seinung.