Pädagogisch wertvoll.

Frau Biasotto war die Erste, damals im Kindergarten, doch mit Frau Biasotto ist das so eine Sache, denn zwar weiß man noch genau, dass die Haare von Frau Biasotto unglaublich lang waren und erst unterhalb ihres Rückens ein Ende fanden, und man weiß auch, dass sie einen roten Renault 4 fuhr, doch an weitere Einzelheiten … Weiterlesen Pädagogisch wertvoll.

Anatoli und Arthur.

Am Ende hat alles ganz am Anfang angefangen, nicht erst in jüngster Vergangenheit, nicht erst mit der Zeit, nicht erst im Verlauf der Jahre und auch nicht erst, seitdem die Tasse fliegt, und Arthur ist nicht irritiert, dass Anatoli eine Tasse in seine Richtung geworfen hat, doch er ärgert sich, dass es seine Tasse ist, … Weiterlesen Anatoli und Arthur.

Selbstgespräche mit einer dritten Person.

Wahrscheinlich liegt es am Alter, dass er damit begonnen hat, Selbstgespräche zu führen, obwohl, es sind keine wirklichen Gespräche, er taucht nicht in schillernde Argumentationswelten ab und macht keine rhetorischen Verrenkungen, wenn er mit sich selbst spricht, aber er tut es, er spricht mit sich selbst, er richtet Worte an die eigene Person, einzig und … Weiterlesen Selbstgespräche mit einer dritten Person.

Was sie tun würde.

Eigentlich müsste sie aufstehen, müsste sich bereit machen, müsste zur Arbeit gehen, müsste all das tun, was sie jeden Tag tut, doch heute ist nicht jeder Tag, sie mag nicht tun, was sie tun müsste, also bleibt sie liegen und denkt daran, was sie tun würde, wenn es ein Tag wie jeder andere wäre; sie … Weiterlesen Was sie tun würde.

Landwirtschaft und Liebe.

Bert liest eine Geschichte von einem, der eine Geschichte liest, und in dieser Geschichte geht es um Landwirtschaft, doch Bert hat keine Ahnung von Landwirtschaft, Agrarwissenschaften sind ihm völlig fremd, und der einzige Bauer, den er kennt, kennt er noch von früher, aus der Schule, damals war er ein stämmiger Junge mit einem dicken Hals, … Weiterlesen Landwirtschaft und Liebe.

Tim oder Tom.

So jung kommen wir nicht mehr zusammen, sagte Dirk, und Olli redete darüber, wie die Zeit sich so beeilt und so wenig bleibt von dem, was einmal war, und David meinte, dass wir Helden sein könnten, nur für einen Tag, doch der Tag, er kam nicht, niemand wurde ein Held, höchstens Tim oder Tom, der … Weiterlesen Tim oder Tom.

Plastik.

Manchmal schrumpft die Welt zu einem einzigen Raum, und dieser Raum ist gefüllt mit künstlichen Pflanzen, bunten und grünen Kunststoffgebilden, die versuchen, die Natur nachzuahmen, dabei aber doch nur Plastik sind, entstanden in einer großen Fabrik, in der unzählige Menschen arbeiten, die man nicht kennt, und diese Menschen drücken Knöpfe und fügen Teile zusammen und … Weiterlesen Plastik.

Der Elefant.

Sie haben sich lange nicht mehr gesehen, schon seit Jahren, doch als sie sich treffen, sind diese Jahre weggeweht, wie Staub, den man von einer alten Schallplatte pustet, und als ihre Stimme erklingt, setzt sein Herz einen Takt lang aus, und als er ihr Hallo erwidert, registriert sie eine leichte Schwingung in ihrem Innern, und … Weiterlesen Der Elefant.

Grashalmtag.

Manche Tage sind wie die Grashalme auf den Wiesen; jeder gleicht dem anderen, keiner tut sich hervor, keiner drängt sich auf, und will man Unterschiede oder Einzigartigkeiten ausmachen, muss man sehr genau hinschauen, und eigentlich sind nicht nur manche, sondern die meisten Tage Grashalme, darum gibt es wohl so viele Wiesen (und es gibt sehr … Weiterlesen Grashalmtag.

Placido Domingo.

Der alte Mann hört im Radio, dass Placido Domingo Frauen belästigt haben soll, und er kennt Placido Domingo eigentlich nicht, er kennt Placido Domingo nur von seiner Frau, denn sie mochte Placido Domingo, mochte seine Stimme, hörte ihn häufig singen, und der alte Mann konnte mit diesen Klängen nie viel anfangen, doch sie vertrieben zumindest … Weiterlesen Placido Domingo.

Ein Steinwurf.

Dieser Stein war schon vor mir da, denkt er, und wenn ich dereinst nicht mehr existieren werde, dann wird, ach, egal, er denkt nicht mehr weiter, mag sich nicht länger vor Augen führen, dass sein Dasein irgendwann nicht mehr da sein wird, dass es enden wird, dass sein Tod womöglich nur einen Steinwurf entfernt in … Weiterlesen Ein Steinwurf.

Verdammte Ambivalenz.

Nach dem Regen die Würmer auf dem Asphalt, ihr seltsames Fortbewegen, diese Wellen, die durch den langen Körper fließen, und später werden einige von diesen Regenwürmern vertrocknen, werden spröde und hart werden und sterben und dann wie verkohlte Gummischnüre auf dem Boden liegen, übersät von Ameisen, aber jetzt, jetzt leben sie noch, obwohl man nicht … Weiterlesen Verdammte Ambivalenz.

Stolpern.

Er ist überzeugt, dass ein überzeugendes Auftreten wichtig ist, dass man mehr erreicht, wenn man in beeindruckender Weise Eindruck hinterlässt, er glaubt, dass man den Schein wahren muss, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ganz nach oben zu gelangen, doch eines Tages geht er eine Treppe hinauf und ist in Gedanken bereits dort, wo er hin … Weiterlesen Stolpern.

Prothesen.

Eine wohlmeinende Stimme hatte ihr noch abgeraten, und natürlich klang die wohlmeinende Stimme wie die Stimme ihrer Mutter, alle wohlmeinenden Stimmen klangen wie die Stimme ihrer Mutter, aber auch dieses Mal kam der Ratschlag nicht von ihrer Mutter, sondern von einem anderen Menschen, ihre Mutter war noch immer tot, wie jeden Tag, seitdem sie gestorben … Weiterlesen Prothesen.

Engelbert.

Seitdem seine Haare immer spärlicher aus seiner Kopfhaut ragen und die kahlen Stellen stetig mehr Raum beanspruchen, blickt Engelbert seinen Freund Karl und dessen üppige Haarpracht mit wachsender Missgunst an, und diese Missgunst, sie behagt ihm nicht, denn eigentlich ist Engelbert kein missgünstiger Mensch, eigentlich ist ihm die Welt dann am liebsten, wenn es den … Weiterlesen Engelbert.