Langfinger.

In Gedanken legt er seine Hand auf ihren nackten Bauch, der Nabel verschwindet, doch die Muttermale bleiben, hingestreute Punkte, kleine und große, und dann schaut er zu, wie seine Finger zu wachsen beginnen, immer länger werden, sich strecken und über ihre Haut kriechen, über ihre Rippen hin zu ihren Brüsten, dann zu den Schultern und … Weiterlesen Langfinger.

Biber.

Wenn sie jeweils den schmalen Pfaden im Wald entlanggeht und die knorrigen Baumstämme betrachtet, wäre sie gerne ein Biber. Sie würde sich durch die borkigen Rinden knabbern, würde Ast um Ast zum nahen Fluss schleppen und einen Bau erschaffen, der ihr ein Zuhause wäre. Manchmal sieht sie ein Eichhörnchen im Wald und stellt sich vor, … Weiterlesen Biber.

Der Teufel.

Sie vermag nicht einzuschätzen, wann es begann. Es dauert schon lange an, glaubt sie, doch die Zeit hat ihre Kalkulierbarkeit verloren; Stunden sind kaum von Tagen zu trennen, die Wochen sind Treibgut in einem trägen Fluss. In meiner Brust ballt der Teufel eine Faust. So lautet ihre Antwort, wenn jemand fragt, was los sei. Kaum … Weiterlesen Der Teufel.

Im Schritttempo.

Sie hätte ein Taxi nehmen sollen. Eva hatte gedacht, dass ihr die frische Luft gut tun würde. Sie hatte gehofft, dass die Wirkung des Alkohols auf dem Nachhauseweg nachlassen und sie sich nicht mehr ganz so betrunken und elend fühlen würde. Diese Hoffnung hat sich zwar erfüllt. Trotzdem war es ein Fehler. Zunächst war Eva … Weiterlesen Im Schritttempo.

Gefallene.

Der Sturm war heftig, war wütend, der Sturm hat an einem Baum gezerrt, und der Baum hat nicht standhalten können, ist umgeknickt, der eigentlich so stämmige Stamm ist im unteren Viertel gebrochen, und nun liegt er da, der Baum, allein auf der weiten Wiese, stumm und still, besiegt und machtlos; ein Gefallener, ein Unterlegener. Sie … Weiterlesen Gefallene.

Ein dunkelgrau gekleideter Reiter.

Etwa eine Woche, bevor die Welt untergeht, hat Hugo ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle in der Redaktion einer Boulevardzeitung. Er mag die Boulevardzeitung nicht, er liest sie nicht und findet die überdimensionalen Schlagzeilen fürchterlich, doch er ist arbeitslos und antriebslos und braucht Geld, also geht er hin, zu jenem Gespräch. Im Besprechungszimmer hängt ein ziemlich … Weiterlesen Ein dunkelgrau gekleideter Reiter.