Hätte.

Der Gedanke hätte überall auftauchen können, doch er tut es an der Biegung eines Flusses. Eva ist mit ihrer Freundin Diana unterwegs, ein Wanderausflug, längst zur Tradition geworden. Es ist ein relativ warmer Tag, ein lauer Wind schiebt Wolkenfetzen über den Himmel, in den Waldstücken vermengen sich Vogelrufe und das Rauschen der Blätter. Als sie … Weiterlesen Hätte.

Landwirtschaft und Liebe.

Bert liest eine Geschichte von einem, der eine Geschichte liest, und in dieser Geschichte geht es um Landwirtschaft, doch Bert hat keine Ahnung von Landwirtschaft, Agrarwissenschaften sind ihm völlig fremd, und der einzige Bauer, den er kennt, kennt er noch von früher, aus der Schule, damals war er ein stämmiger Junge mit einem dicken Hals, … Weiterlesen Landwirtschaft und Liebe.

Gehen und bleiben.

Da ist ein Totenkopf, auf einem Bild an einer Wand, da ist dieses knöcherne Etwas, das früher zu einem Menschen gehörte, zu einem Leben, zu tausend Gedanken und tausend Erinnerungen, und man fragt sich, was bleibt, wenn ein Mensch geht. Man fragt sich, wie viel von einem Menschen stirbt und ob etwas weiterlebt und wie … Weiterlesen Gehen und bleiben.

Die Glühbirne im Kühlschrank.

Ich wäre ein schlechter Vergewaltiger, sagt er, unaufgefordert, und das ist befremdend. Wenn jemand explizit danach gefragt wird oder sich ein Gespräch in diese Richtung entwickelt, ist eine solche Aussage wohl zumeist spontan und unüberlegt, unreflektiert. Wer diese Wörter jedoch ohne konkrete Aufforderung seinem Mund entweichen lässt, hat sie zuvor offensichtlich bereits sortiert und zurechtgelegt, … Weiterlesen Die Glühbirne im Kühlschrank.

Mutmaßlich.

Niemand weiß, warum er es getan hat. Die Frage nach diesem Warum, sie drängt sich immerzu auf. Unzählige Begebenheiten lässt man durch die Zeit rinnen, ohne sie ergründen zu wollen, man akzeptiert, ohne zu hinterfragen. Doch in diesem Falle trägt man das Fragezeichen einem Schwerte gleich in den Händen, schwingt es vor aller Augen. Warum … Weiterlesen Mutmaßlich.

Nach der Angst.

Womöglich ist es gar nicht tot. Da ist kalte Angst in den Augen, und wer Angst hat, ist nicht tot. Man kennt es nicht, das Mädchen. Das weiße Kleid, das schwarze Haar, die Gesichtszüge, die Körperhaltung, alles an ihm ist fremd. Auch die Welt, die Umgebung, die wenigen Eckpunkte des Umlandes, die sich bieten, scheinen … Weiterlesen Nach der Angst.

Wolken über Paris.

Am Abend zuvor stand die Vase noch nicht auf dem Tisch. Sie weiß es ganz genau, zumindest glaubt sie, dass sie es ganz genau weiß. Sie starrt auf das kleine Gefäß, auf die abgesplitterte Kante, auf die trockenen Blumen, als wäre darin eine Antwort zu finden, eine Gewissheit zu erlangen. Doch die Vase steht einfach … Weiterlesen Wolken über Paris.

Der traurige Hund ist tot.

Da ist ein trauriger Hund am Himmel, mit hängendem Kopf blickt er über den nahen See. In einiger Entfernung ist eine Atombombe explodiert, daneben hockt ein dünnes Kaninchen. Schon in einer Stunde wird alles anders sein, morgen werden andere Wolken am Himmel stehen, irgendwann wird alles vorüber sein, und er fragt sich, ob es zu … Weiterlesen Der traurige Hund ist tot.

Die 33 Fragezeichen, Teil 2.

Wann wird ein Moment zur Vergangenheit? Wann wird Vergangenheit zur Geschichte? Wer entscheidet, was Geschichte macht? Wann merkt man, ob Geschichte geschrieben wurde oder lediglich eine Fußnote, wenn nicht sogar nur leere Worte? Wenn die Vergangenheit nur eine Geschichte ist, die wir in Worte kleiden, sind wir dann nicht einfach Märchenerzähler mit einem Anspruch auf … Weiterlesen Die 33 Fragezeichen, Teil 2.

Die alte Kälte.

Man mag ihn nicht, hat ihn nie gemocht. Vielleicht hat man es zu Beginn noch versucht, aber nie wirklich geschafft, und irgendwann hat man dann wohl aufgehört, es überhaupt in Betracht zu ziehen. Man hat sich damit abgefunden, dass man gewisse Menschen liebenswert oder sympathisch findet, er aber nicht zu diesen Menschen zählt. Die Abneigung, … Weiterlesen Die alte Kälte.

Eine Weise.

Sie war die älteste Frau im Dorf. Vielleicht war sie ein Elefant, vielleicht ein Geist, vielleicht eine hölzerne Statue, vom Leben geschnitzt. Man wusste es nicht, und man fragte sie nicht. Stattdessen fragte man sie alles andere. Die Kinder fragten nach dem Blau des Himmels, nach dem Donner und dem Blitz, nach der Körpergröße der … Weiterlesen Eine Weise.

Zumindest das Schweigen.

Mitunter sind die banalsten Sätze auch die unerträglichsten, den einfachsten Fragen folgen bedrückend komplizierte und dennoch unverbindliche Antworten. Man könnte fragen: Warum Krieg? Eine Frage, auf die schon Einstein und Freud in ihrem publizierten Briefwechsel keine abschließende Klärung fanden. Man könnte fragen, wohin man geht, wenn man am Ende angekommen ist, doch man weiß, dass die … Weiterlesen Zumindest das Schweigen.

Rost.

Das Fragezeichen ist wie das alte dunkelgrüne klapprige Fahrrad im Keller. Es ist da, und man weiß genau, wie man es verwendet, doch die Staubschicht wird dicker, die Spinnweben werden allmählich zu dünnen Tüchern. Man mag das Fahrrad durchaus, als Kind saß man stundenlang auf dem weichen Sattel, dessen Naht an der Seite ein wenig … Weiterlesen Rost.

Was ist dir lieber?

Was ist dir lieber; dass ein Elefant dein Badewasser austrinkt, ein Vogel dein Mittagessen stiehlt, ein Schwein deine Kleider anzieht oder ein Nilpferd in deinem Bett schläft? Eine gute Frage. Sie entstammt einem Kinderbuch von John Burningham. Darin stehen noch andere erfreuliche und unerfreuliche Möglichkeiten zur Wahl, unter anderem kann man sich zwischen Spinnenschnitzel, Schneckenknödel, … Weiterlesen Was ist dir lieber?

Der Vatermörder.

Irgendwo in einem kleinen Ort in der Nähe einer Stadt, in der man noch nie war, bringt ein junger Mann seinen Vater um. Man liest davon in der Zeitung, eher zufällig, eine kleine Meldung, denn die Informationen sind noch dürftig. Der Sohn ist gut zwanzig Jahre alt, der Vater war sechsundsechzig, er wurde erstochen aufgefunden, … Weiterlesen Der Vatermörder.