Widersinn.

3 Gedanken zu “Widersinn.”

  1. Wie war das doch gleich mit dem Menschen und Baumholz? Ach ja, siehe Immanuel Kants „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“:

    „Denn jeder derselben [Personen der Gesellschaft, Anm. AJ] wird immer seine Freiheit mißbrauchen, wenn er keinen über sich hat, der nach den Gesetzen über ihn Gewalt ausübt. Das höchste Oberhaupt soll aber gerecht für sich selbst und doch ein Mensch sein. Diese Aufgabe ist daher die schwerste unter allen; ja ihre vollkommene Auflösung ist unmöglich: aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden. Nur die Annäherung zu dieser Idee ist uns von der Natur auferlegt.“

    Und was das wuchernde schlechte Gewissen der Person im vorliegenden Text anlangt, so bemerkte Friedrich Nietzsche dereinst in seiner „Genealogie der Moral“ dazu:

    „Man wird bereits errathen haben, w a s eigentlich mit dem Allen und u n t e r dem Allen geschehen ist: jener Wille zur Selbstpeinigung, jene zurückgetretene Grausamkeit des innerlich gemachten, in sich selbst zurückgescheuchten Thiermenschen, des zum Zweck der Zähmung in den ‚Staat‘ Eingesperrten, der das schlechte Gewissen erfunden hat, um sich wehe zu tun, nachdem der n a t ü r l i c h e r e Ausweg dieses Wehe-thun-wollens verstopft war, — dieser Mensch des schlechten Gewissens hat sich der religiösen Voraussetzungen bemächtigt, um seine Selbstmarterung bis zu ihrer schauerlichsten Härte und Schärfe zu treiben. Eine Schuld gegen G o t t: dieser Gedanke wird ihm zum Folterwerkzeug.“

    Sollte nach dem Tod Gottes das schlechte Gewissen dahingehend gewuchert sein, daß der Mensch des schlechten Gewissens sein liebstes Folterwerzeug – vermißt? Es ist jedenfalls auffällig, daß die „Quadratur der Welt“ im vorliegenden Text offenbar durch keine göttliche Hand zu heilen ist …

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  2. Bäume und Menschen haben viel gemeinsam, wie ein Blick hinter die Rinde und unter die Häute verrät. Ein Baum jedoch, wenn er aufgeschnitten wird, verrät dem Baumfachmann meistens, woran er starb oder was ihn schwächte oder ob seine Position einfach einer Windbö im Weg war. Doch ein aufgeschnittener Mensch verrät nicht unbedingt, woran er starb. Ob das Herz durch Kummer brach oder ob er einfach von innen verrottete, weil er sich zu lange schon wie tot fühlte, für die anderen unsichtbar, schließlich umkippte, Diagnose Herztod oder Schwäche oder akute Einsamkeit.

    Wieder so eine schön starke Geschichte von Dir…

    Lesedank und liebe Grüße
    Amélie

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, allzu viele hüllen ihre Innenwelt in undurchdringbar dicke Rinden, um tunlichst zu vermeiden, dass etwas davon nach draussen dringt… Vielen lieben Dank dir für deinen wie immer wunderbaren Kommentar!
      Herzliche Grüsse zurück…

      Gefällt 1 Person

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