Iris.

Den endgültigen Entschluss fasst sie, als sie ihre Zungenspitze um seine Eichel kreisen lässt, schließlich ihre Lippen um seinen Penis legt und den Brechreiz erträgt. Nachdem sich die Gewissheit manifestiert hat, wirkt die Situation einen Moment lang so grotesk, dass sie verharrt. Als er an ihren Haaren zerrt und auf ein Weitermachen drängt, tut sie … Weiterlesen Iris.

Ein lieber Kerl.

Er ist eigentlich ein lieber Kerl, er redet viel und lacht häufig, seine Stimme ist laut, seine Sätze sind kurz, er sagt, was er denkt, und häufig sagt er Fotze, manchmal sagt er Pussy oder Möse oder Muschi, meistens aber sagt er Loch, und vielleicht sagt das einiges über ihn aus, doch ihm ist das … Weiterlesen Ein lieber Kerl.

Nolgg.

Die Stadt hat etwa einhunderttausend Einwohner, einen hübschen Stadtkern mit stilvollem Gepräge und viel Grün. Mehrere Flussläufe fragmentieren die Geografie, zwischen den halbhohen Häusern führen Pflastersteingassen durch eine autofreie und bemerkenswert saubere Innenstadt. In den Schaufenstern tragen kopflose Puppen aktuelle Modekreationen und elegantes Schuhwerk, Buchhandlungen laden zum Geschichtenlesen ein, Konditoreien locken mit süßem Backwerk, zahlreiche … Weiterlesen Nolgg.

Kausalphabet.

A. beschließt drei Tage nach seinem einundachtzigsten Geburtstag, endlich schwimmen zu lernen. B. geht in das Unternehmen, in welchem er fünfzehn Jahre gearbeitet hatte, und will möglichst viele Mitarbeitende töten, schießt aber am Ende nur sich selbst in den Kopf. C. sitzt schluchzend auf dem Bett, die Hundeleine in der Hand. D. rettet einen kleinen … Weiterlesen Kausalphabet.

Isoliert.

Früher waren da immerhin die gesichtslosen Männer, die mit Wasser aus Schläuchen den kalten Boden säuberten. Heute trocknet alles ein. Alles ist klebrig, der Gestank ist längst sichtbar geworden. Jede Flüssigkeit, die aus einem Menschen austritt, wird zu übelriechendem Schmutz. Früher oder später. Am schlimmsten sind nicht Fliesen, Glas und Kunststoff. Am schlimmsten ist sie … Weiterlesen Isoliert.

Toni du Misgeburt.

Manchmal ist es gut, wenn man in Begleitung eines graphologischen Gutachters unterwegs ist, denn graphologische Gutachter können durchaus praktisch sein und verfügen zumeist über gut frisiertes Haupthaar. Doch jetzt und hier ist kein graphologischer Gutachter vonnöten. «Toni du Misgeburt» hat jemand an eine Hauswand geschrieben, und die wackligen Buchstaben und die orthographischen Unzulänglichkeiten lassen das … Weiterlesen Toni du Misgeburt.

An einem Sonntagabend.

Da war diese Frau. Nach dem Versinken des Tageslichts tauchte sie auf. Jeden Sonntagabend, immer wieder, ohne Unterlass, schon seit Wochen. Am Anfang ließ sich Besorgnis in den Augen der Leute ausmachen, eine kleinmütige Anteilnahme. Da waren Fragezeichen, zwar kümmerlich und in schludriger Schrift skizziert, aber immerhin. Warum ist sie nackt? Warum weint sie stumm? … Weiterlesen An einem Sonntagabend.

Enttäuschende, Kinder.

In einem wunderbaren Film erzählt eine junge Frau davon, wie sie von ihrem Vater physisch und psychisch missbraucht wurde, doch sie schildert nicht die Fakten, sondern liest eine kurze Kindergeschichte vor, die sie geschrieben hat, und diese Kindergeschichte, sie handelt von einem Oktopus, der einen Freund sucht und glaubt, diesen in einem Hai gefunden zu … Weiterlesen Enttäuschende, Kinder.

Moral und Anstand.

Um sich in Moral und Anstand zu üben, dürfte es wohl kaum einen besseren Lehrer geben als eine Person, die innerhalb einer Staatsregierung offiziell für diese Themen zuständig ist. Von Simon Lokodo müsste man also einiges lernen können, denn Simon Lokodo ist Minister für Moral und Anstand von Uganda. Der wunderbare und oftmals wunderbar unanständige … Weiterlesen Moral und Anstand.

Markus und Maria und Manfred und Max.

Markus ist ein Arschficker, ein Rosettenprinz, ein Analschakal, ein Schwanzlutscher. Maria ist eine Leckschwester, eine Lippenstiftlesbe, eine Fotzenleckerin, eine Büchsenmasseuse. Findet jedenfalls Manfred, und Manfred ist ein richtiger Mann. Einer mit Eiern, die er fleißig kratzt, einer, der im Stehen pinkelt, aber nicht vom Pinkeln, sondern vom Pissen redet oder davon, ein Bier in die … Weiterlesen Markus und Maria und Manfred und Max.

Ein Mensch wie du und ich.

Dies ist die Geschichte eines Menschen wie du und ich. Ian wuchs in Wales auf, absolvierte die High School, studierte Grafikdesign und wurde bei seinem erfolgreichen Abschluss für seine ausgezeichneten Leistungen geehrt. Er liebte Rockmusik, und nachdem er bereits in verschiedenen Formationen aktiv gewesen war, gründete er 1997 mit einigen Freunden eine neue Band. Von … Weiterlesen Ein Mensch wie du und ich.

Gelb.

Vielleicht ging es gar nie um die Strumpfhosen. Er meinte, die Farbe sei schrecklich und ihre Beine seien dick und krumm, er könne die gelben Dinger nicht mehr ertragen, sie seien eine Beleidigung für sein Auge. Er sprach mit einer süffisanten Selbstgefälligkeit in der Stimme, schleuderte ihr weitere unschöne Worte entgegen, und sie, sie schleuderte … Weiterlesen Gelb.

Rotkehlchenküken.

Manchmal vergisst er tatsächlich, wie gut er ist. Gut, natürlich ist er nicht immer gut, aber wenn er gut ist, dann so richtig. Dann rettet er all die armen Robbenbabys und gestrandeten Finnwale, und wenn ein Rotkehlchenküken aus dem Nest fällt, dann päppelt er es auf, richtet eine hübsche Kartonschachtel ein und füttert es und … Weiterlesen Rotkehlchenküken.

Super.

Als sie damals am frühen Morgen im Badezimmer stand und die Frau im Spiegel auf ihre Frage, wie sie sich fühle, mit dem Wort Super antwortete, hatte sie es noch gar nicht bemerkt. Doch dann wollte sie einen ziemlich schweren Tisch in ihrer Wohnung ein wenig zur Seite rücken und warf ihn stattdessen ungewollt an … Weiterlesen Super.

Der Anfang am Ende.

Ein leises Klopfen an der Tür, in das Nichts vor dem Fenster dringt ein Grollen und Blinken. Das Klopfen wird lauter, doch sie bleiben still, nahezu reglos auf einem Bett, das ebenso gut ein Boot auf der Oberfläche eines schlafenden Ozeans sein könnte. Eine kaum hörbare Stimme ertönt. Bist du wach? Ja, flüstert eine zweite … Weiterlesen Der Anfang am Ende.

Amok.

Die Sonnenblumen hatten ihn eigentlich nie sonderlich interessiert. Er hegte weder Groll noch ausgeprägte Zuneigung, sie waren einfach da, standen stumm in jenem Feld, welchem er häufig entlangging, ganz normale Sonnenblumen, und sie waren ihm ziemlich egal. Manchmal blitzten Gedanken auf, eine von ihnen zu pflücken, doch er wusste, dass dies verboten war, also tat … Weiterlesen Amok.

Verbrannte Erde.

Wenn die Schlachten geschlagen und die Schreie verstummt sind, wenn das Blut längst geronnen ist und Fahnen wieder wehen, wenn die Feuer gelöscht und die Toten begraben sind, ist vieles vorbei, aber nicht alles zu Ende, und einiges fängt gerade erst an. Manchmal sind es ganze Völker, die sich bekämpfen, manchmal Nationen, Familien, Glaubensgemeinschaften, manchmal … Weiterlesen Verbrannte Erde.

Anna und Himbeereis.

Es gibt keine Perfektion beim Menschen, doch sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand dieser Vollkommenheit näher hätte kommen können als er. Ben. Eigentlich Benjamin, aber Ben passte besser. Er war liebenswert, klug, humorvoll, attraktiv, treu, achtsam, charmant, zärtlich, gefühlvoll, er war all die Adjektive, die Anna genannt hätte, falls sie nach den Attributen ihres … Weiterlesen Anna und Himbeereis.