Ein Mensch wie du und ich.

Dies ist die Geschichte eines Menschen wie du und ich. Ian wuchs in Wales auf, absolvierte die High School, studierte Grafikdesign und wurde bei seinem erfolgreichen Abschluss für seine ausgezeichneten Leistungen geehrt. Er liebte Rockmusik, und nachdem er bereits in verschiedenen Formationen aktiv gewesen war, gründete er 1997 mit einigen Freunden eine neue Band. Von … Weiterlesen Ein Mensch wie du und ich.

Dreharbeiten.

Es gibt kein Drehbuch, keine vorgefertigte Geschichte, keinen Produktionsplan. Auf Mitwirkende hat man nur eingeschränkten Einfluss, ebenso auf deren Verhalten und auf den Verlauf einzelner Episoden. Man kann zwar Ideen einbringen, sich engagieren und gewisse Modifikationen initiieren, doch wirklich steuern lässt sich der Handlungsablauf nicht. Bild reiht sich an Bild, was eben noch eine Komödie … Weiterlesen Dreharbeiten.

Gedachte Teile.

Oft fragt man sich, was eigentlich los ist, was eigentlich geschieht, und eigentlich ist die Antwort ziemlich egal, es geht nicht um die Antwort, es geht um die Frage, die man sich stellt, denn solange man noch fragt, beweist man Interesse, ist noch am Leben oder zumindest nah dran. Man könnte sich seinen Teil denken, … Weiterlesen Gedachte Teile.

Undenkbar.

«Was denkst du?» will sie wissen, und er zuckt zusammen, denn er hat mit der Frage gerechnet, weiß aber trotzdem nicht, was er darauf antworten soll. Zwar ist es nicht so, dass er nichts denkt, doch er schätzt es sehr, seine Gedanken innerhalb der sicheren Grenzen seines Kopfes zu wissen, und ist nicht sonderlich erpicht … Weiterlesen Undenkbar.

Die Totengräberin.

Wahrscheinlich begann es mit Gandhi. So hieß ihr Hamster, der erste und einzige. Als er sich eines Tages nicht mehr rührte, waren ihre Tränen so bitter wie nie zuvor. Ihre Mutter nahm sie in den Arm, strich sanft über ihr Haar. Dann sagte ihr Vater, er würde Gandhi nun wegbringen, und Vera erstarrte, das Schluchzen … Weiterlesen Die Totengräberin.

Der Protest.

Niemand konnte genau sagen, wann sie aufgetaucht oder woher sie gekommen war. Plötzlich stand sie da, am Rand des Waldes, neben einem Gehweg. Die vereinzelten Passanten musterten sie mit Blicken voller Neugier und Verwunderung, mitunter mischten sich auch Entrüstung oder eine gewisse Lüsternheit in die Augen der Betrachter. Zu Beginn wagte niemand, sie anzusprechen, nur … Weiterlesen Der Protest.

Der Boxer.

Er wollte Forscher werden, Archäologe vielleicht. Er mochte Dinosaurier, mochte die Welt, wie sie vor Jahrmillionen war, und nur zu gerne hätte er nach Reliquien gegraben, nach Überresten aus der Kreidezeit. Später wollte er dann Langlaufprofi werden, oder Lehrer, womöglich Sportlehrer, obwohl er sich in Turnhallen merklich unwohl fühlte. Während sich seine Freunde eine Zukunft … Weiterlesen Der Boxer.

Flugzeuge.

Sie liegt auf der Straße und sich selbst im Weg. Die Welt ist hell, das Licht eine arrogante Macht, und die Blätter der Bäume tanzen in einem Wind, den sie schon lange nicht mehr spürt. Irgendwann tauchten sie auf, die Flugzeuge, zu Beginn nur als kleine Punkte im Stillleben des Horizonts. Doch sie kamen rasch … Weiterlesen Flugzeuge.

Beton und Zehen.

Gebrochenen Zehen scheint nichts Positives innezuwohnen. Sie sehen nicht sonderlich hübsch aus, das Anziehen von Schuhwerk wird zum höchst zweifelhaften Vergnügen, und dann sind da die Schmerzen. Die potenziellen Konsequenzen sind so einleuchtend wie abschreckend, und dennoch geht er das Risiko ein. Mit voller Wucht prallt seine Fußspitze gegen die Betonwand. Nichts bricht. Weh tut … Weiterlesen Beton und Zehen.

Ein Gemälde.

Sie steht vor der Staffelei und starrt auf die Leinwand, den Pinsel noch in der Hand. An den Borsten hängt ein Tropfen Farbe, der nach unten drängt, sich zu lösen versucht und schließlich zu Boden fällt, vor ihren Füssen zerschellt, ein Klecks wie ein Mahnmal. Sie betrachtet ihr Werk, dieses Abbild ihrer selbst. Das ist … Weiterlesen Ein Gemälde.

Sie liegt.

Sie liegt schlecht in der Zeit, liegt auf der Lauer und auf einem seltsamen Ding, sie legt sich quer und die Karten auf den Tisch, und eigentlich liegt es ihr nicht, die Hände in den Schoss zu legen, sie legt es meistens darauf an, sich ins Zeug und eine grundlegende Hingabe an den Tag zu … Weiterlesen Sie liegt.

Seltsam.

«Sag, liebst du mich?» fragt sie, und die Stimme zittert, doch das tut sie schon seit Jahrzehnten. Er schaut sie an, aus diesen dunklen und warmen Augen, die immer ein wenig wässrig sind, und lächelt. Dann ergreift er ihre Hand und küsst die fleckige Haut, ganz sanft, als wäre sie aus dünnem Papier. «Sieh doch, … Weiterlesen Seltsam.

Rauschen, Schweigen.

Da sind Linien in der Haut der Bäume, tief eingekerbte Namen von Liebenden, und die Bäume schreien stumm, sie haben keine Stimme, und alles, was man hört, ist Rauschen. Da sind Linien in der Haut der Körper, tief eingekerbte Dramen von Leidenden, und die Körper schreien stumm, sie haben keine Stimme, und alles, was man … Weiterlesen Rauschen, Schweigen.

Nichts.

Sie fragten ihn, weshalb er den Türrahmen mit seiner Hand zertrümmert habe und dabei auch die Hand selbst, und er sagte nichts. Er betrachtete die blutigen Stellen an seinen Knöcheln und umklammerte seinen Unterarm, ließ ihn schlapp nach unten hängen und räusperte sich geräuschvoll. Schließlich spuckte er auf den Teppich und verstrich den Speichel mit … Weiterlesen Nichts.

Sexist.

Er kleidet die Schönheit ihres nackten Körpers in Worte, versucht es zumindest, denn zur Gänze gelingen kann es nicht. Er schreibt, wie er seine Hände über ihre zarte Haut führt, wie sie über ihre Formen und Konturen gleiten wie ein Schwan über den stillen See. Er schreibt, wie er ihren Hals küsst, ihre Brüste, ihren … Weiterlesen Sexist.

Der Sänger.

Wenn in einem gut besetzten Zugabteil ein offensichtlich leicht geistig behinderter Mann sehr laut und sehr falsch singt, ist es angebracht, verärgert und genervt zu reagieren und gegebenenfalls mit Nachdruck um Ruhe zu bitten. Natürlich tut man es nicht. Man weist keine behinderten Menschen zurecht, man hindert sie nicht daran, ihre Gefühle in akustischer Form … Weiterlesen Der Sänger.