Landschaft Eins.

Man erschafft sich seine eigene Landschaft. Den objektiven Blickwinkel gibt es nicht, man schaut immer durch die gleichen beiden Löcher aus dem Kopf hinaus in die Welt, und diese Welt, sie dringt durch die gleichen beiden Löcher hinein in den Kopf. Und dort entsteht sie, die Landschaft. DIE LANDSCHAFT IM INNERN. Es ist nicht selten … Weiterlesen Landschaft Eins.

Landschaft Zwei.

Man erschafft sich seine eigene Landschaft, und für Nichtgötter klingt das mühsam, strapaziös, doch eine Landschaftserschaffung ist eigentlich ganz einfach, man braucht keine teuren Gartengerätschaften aus dem Baumarkt und auch keinen Löffelbagger, man muss gar nicht viel tun, nur hinsehen, hersehen, herbeisehnen, sich hingeben, hineinbegeben, denn die Landschaft, sie beginnt immer dort, wo man selbst … Weiterlesen Landschaft Zwei.

Landschaft Drei.

Man erschafft sich seine eigene Landschaft. Seinen eigenen Hügel, den eigenen Buckel im Terrain. Und dann, beim Betrachten dieses Hügels, denkt man an die Beule, die man sich als kleines Kind zuzog, als man mit dem Dreirad durch die Wohnung raste und sich eine Schwelle in den Weg stellte, wodurch man an eine Ecke im … Weiterlesen Landschaft Drei.

Der kleine Polizist.

Wir nannten ihn den kleinen Polizisten. Klein war er tatsächlich, kaum größer als wir Kinder es damals waren. Und er war alt. Schon immer. Niemand konnte sich vorstellen, dass er einst ein junger Mann gewesen sein musste. Ein Polizist war er derweil nicht. Dennoch trug er eine Uniform. Sie bestand aus einem grauen Jackett, einer … Weiterlesen Der kleine Polizist.

Flugzeuge.

Sie liegt auf der Straße und sich selbst im Weg. Die Welt ist hell, das Licht eine arrogante Macht, und die Blätter der Bäume tanzen in einem Wind, den sie schon lange nicht mehr spürt. Irgendwann tauchten sie auf, die Flugzeuge, zu Beginn nur als kleine Punkte im Stillleben des Horizonts. Doch sie kamen rasch … Weiterlesen Flugzeuge.

Ab in den Sarg.

Es war Mitte der 1980er Jahre, und zu all jenen Kompetenzen, die mir damals als schüchterner Grundschüler fehlten, zählte die Fähigkeit, die Bedeutung und die Dimensionen von AIDS auch nur ansatzweise erfassen zu können. In meinen Augen war es eine furchtbare Krankheit, die mit dem Tod endete. Das Wort Tod war derweil ebenso ominös. Ich … Weiterlesen Ab in den Sarg.

Konserviert.

Seine Hände zittern. Sie gleiten über ihre Haut, und sie zittern, noch mehr als sonst. Die Finger wandern unsicher über den Bauch, stolpern über die Falten und verfangen sich kurz im Nabel. Er berührt ihre Brüste, die poröse Haut, die ein wenig lose über dem Gewebe liegt. Sie sind noch immer wunderschön, die Brüste. Alles … Weiterlesen Konserviert.

Kleine Kreise.

Die Kreise werden kleiner. Sie waren groß, einst, so groß, dass man sich darin verlor. Eine riesige Fläche. Stand man am Rand, konnte man die gegenüberliegende Seite nicht sehen. Nur die riesige Fläche. Und sich selbst, wie man in den Weiten versickerte. Man trat hinaus aus dem Kreis. Man trat wieder hinein. Der Kreis war … Weiterlesen Kleine Kreise.

Beton und Zehen.

Gebrochenen Zehen scheint nichts Positives innezuwohnen. Sie sehen nicht sonderlich hübsch aus, das Anziehen von Schuhwerk wird zum höchst zweifelhaften Vergnügen, und dann sind da die Schmerzen. Die potenziellen Konsequenzen sind so einleuchtend wie abschreckend, und dennoch geht er das Risiko ein. Mit voller Wucht prallt seine Fußspitze gegen die Betonwand. Nichts bricht. Weh tut … Weiterlesen Beton und Zehen.

Distanzen. Dissonanzen.

Wenn sie ein Auge schließt, entfliehen die Distanzen. Keine Nähe mehr, nichts bleibt greifbar, und alles, was sie sieht, treibt ungenau im Raum. Die Landschaft wird zum flachen Gewühl aus Farben, eine Dimension ist keine Dimension mehr, jede Tiefe ist nur noch Theorie. Sie benennt die Entfernungen. Und sie weitet alles aus, bis sie sicher … Weiterlesen Distanzen. Dissonanzen.

Was fällt ihnen ein.

Er blättert in einer Zeitschrift, die Schrift der Zeit, die Zeit in Schrift und auch in Bildern, und einige dieser Bilder lassen ihn hadern und verzagen. Wie er sie verabscheut. Eine stilisierte Aufnahme zeigt notleidende Kinder aus einem afrikanischen Land, sie lachen in die Kamera, und er malt sich aus, wie seltsam und aufregend es … Weiterlesen Was fällt ihnen ein.

Die entfärbte Welt.

Die Wiesen sind nicht mehr grün, die Magnolien nicht mehr rosa, der Himmel ist am Tag nicht mehr blau und an lauen Abenden weder orange noch violett, und wenn er sich schneidet, rinnt das Blut tiefschwarz über die Haut. Seine Welt ist entfärbt, und was bleibt, sind Schwarz und Weiß und Schattierungen von Grau. Er … Weiterlesen Die entfärbte Welt.

Als Jesus furzte.

Er sah seltsam aus, merkwürdig, sonderbar, eigenartig, doch sie mochte diese eigene Art, die ihrer Ansicht nach viel zu rar geworden war. In seinen langen Haaren hatten sich einige Sonnenstrahlen verfangen und versuchten emsig, sich zu befreien, doch es gelang ihnen nicht, zu dicht war der Schopf, zu verflucht verflochten die dunklen Strähnen, also leuchteten … Weiterlesen Als Jesus furzte.

Morgenstern lügt.

Auf dem Tischlein neben ihrem Bett steht ein kleiner Kalender, der ihr jeden Tag verrät, wie sie ihr Leben zu leben hat, und am heutigen Tag steht dort ein Satz von Christian Morgenstern, der behauptet, dass eigentlich alles schön sei, was man mit Liebe betrachte, doch sie glaubt ihm nicht, sie bezichtigt Christian Morgenstern der … Weiterlesen Morgenstern lügt.

Ein Gemälde.

Sie steht vor der Staffelei und starrt auf die Leinwand, den Pinsel noch in der Hand. An den Borsten hängt ein Tropfen Farbe, der nach unten drängt, sich zu lösen versucht und schließlich zu Boden fällt, vor ihren Füssen zerschellt, ein Klecks wie ein Mahnmal. Sie betrachtet ihr Werk, dieses Abbild ihrer selbst. Das ist … Weiterlesen Ein Gemälde.

Sie liegt.

Sie liegt schlecht in der Zeit, liegt auf der Lauer und auf einem seltsamen Ding, sie legt sich quer und die Karten auf den Tisch, und eigentlich liegt es ihr nicht, die Hände in den Schoss zu legen, sie legt es meistens darauf an, sich ins Zeug und eine grundlegende Hingabe an den Tag zu … Weiterlesen Sie liegt.

Alles rauscht vorbei.

Sie sitzt im Zug und ist trotzdem nicht da. Sie blickt auf die Landschaft vor dem Fenster, und alles rauscht vorbei, doch sie sieht etwas anderes. Ihr Leben war gut, unter dem Strich, den sie am immer näher rückenden Ende ziehen müssen wird. Es war ein Leben. Ausreichend gefüllt mit den Dingen, die es ausmachen, … Weiterlesen Alles rauscht vorbei.