Der kleine Polizist.

4 Gedanken zu “Der kleine Polizist.”

  1. Lieber Disputnik, wieder eine so schöne Geschichte die mich an meine Kindheit erinnert.
    Ja, auch in meiner Straße gab es so jemanden und auch ich kann mir kaum vorstellen dass er nicht mehr lebt.
    ER hatte einer Behinderung und ging mit seinen krummen Beinen am Krückstock und oft nässte er sich ein.
    Wir Kinder erfuhren, er sei „als Kind vom Wickeltisch gefallen“.
    Dafür tat er mir leid.
    Erst als fast Erwachsener, als ich diese Straße meiner ersten sechs Lebensjahre wieder besuchte, erinnerte ich mich eines Tages an diese „Aufklärung“ und mir wurde klar dass es sich nur um eine Respektlosigkeit gehandelt hat.
    Da wo die Schlachterei war, wo ich immer ein Stückchen Wurst über den Tresen gereicht bekam, steht heute ein Wohnhaus.
    Den Teich gibt es nicht mehr, wo das verwunschene Haus mit Efeu berankter Fassade stand. Heute steht dort ein großer Wohnblock.
    das Freibad ist nicht mehr da und auf dem Gelände steht eine Neubausiedlung.
    Das kleine Häuschen in dem wohl die Chloranlage war ist auch weg.
    Und wo ist jetzt der Butzemann, der in diesem Häuschen wohnte und mir immer so viel Angst machte….
    Bald bin ich vielleicht dieser kleine Polizist.
    Ob ich wohl kleine Kinder ansprechen mag wenn ich älter bin, oder werde ich die argwöhnischen Blicke der jungen Eltern in meinem Nacken spüren, die mich nicht kennen und mir alles zutrauen. Die nicht grüßen, nichts wissen von meiner Einsamkeit, von meinen Erinnerungen an meine Kindheit, die nicht wissen dass ich wünschte es gäbe auch hier in der Stadt noch einen kleinen Schlachter der den Kindern ein Stückchen Wurst reicht und der sich wünscht es wäre normal miteinander zu sprechen und sich von Kindern auf der Straße erzählen zu lassen was sie heute so erlebt haben.
    Hoffentlich ist es nicht noch schlimmer und die Leute rechnen mir vor, dass für zwei meiner Sorte aufkommen müssen, damit ich was zu essen habe und wie lang ich eigentlich noch auf ihre kosten spazieren gehen will.
    Als Polizist hätte ich wenigstens noch einen Sinn.
    Wenn schon niemand mit mir spricht, so kann ich vielleicht en Leben retten, dass der Raser in seinem aufpollierten SUV so leichtfertig gefährdet.
    Eines Tages bin ich nicht mehr da.
    Wer wird sich dann um Ordnung kümmern…..

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    1. Lieber Joachim, vielen lieben Dank für deine Worte, für eine Erinnerungen, deine Gedanken. Ja, da ist einerseits die Gewissheit, dass all die Dinge, die einst waren und das Leben prägten, irgendwann aufhörten zu existieren. Und da ist andererseits die Ungewissheit, was eigentlich in Zukunft noch bleiben wird, was man sein wird, in den eigenen Augen und jenen der anderen. Und irgendwo zwischen der Gewissheit und der Ungewissheit stehen wir und stellen uns die Fragen, auf die es keine Antwort gibt… Nochmals vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren…

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