Spucken in diesem Zusammenhang.

Männer spucken eben manchmal, findet A., seine Frau jedoch verbittet es sich, dass er seine oralen Absonderungen in der Wohnung deponiert, also geht A. im freundlichen Licht eines jungen Morgens auf den kleinen Balkon, auf welchem sich die Müllsäcke stapeln, lehnt seinen massigen Körper über die Brüstung und lässt seinem Mund einen beeindruckenden Speichelfetzen entweichen, … Weiterlesen Spucken in diesem Zusammenhang.

Das Cello.

Man sagte, sie sei seltsam. Sie sei ein wenig verrückt. Sie habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Man sagte, sie sei ein armes Ding, und es sei doch unglaublich schade, sie sei so eine hübsche junge Frau, und dann das. Man sagte, jemand müsste ihr doch helfen, aber man tat es nicht, man hatte … Weiterlesen Das Cello.

Der Protest.

Niemand konnte genau sagen, wann sie aufgetaucht oder woher sie gekommen war. Plötzlich stand sie da, am Rand des Waldes, neben einem Gehweg. Die vereinzelten Passanten musterten sie mit Blicken voller Neugier und Verwunderung, mitunter mischten sich auch Entrüstung oder eine gewisse Lüsternheit in die Augen der Betrachter. Zu Beginn wagte niemand, sie anzusprechen, nur … Weiterlesen Der Protest.

Münchhausen lacht.

Wenn man trotzdem lacht, ist es nicht immer Humor, häufig ist es keineswegs amüsant, und wenn das Scheinwerferlicht erlischt, verschmieren Tränen die Schminke des Clowns, und es muss kein böses Spiel sein, wenn die gute Miene nur ein Trugbild ist, nicht selten sind es einfach die Dinge der Zeit, die das Gesicht zur Maske gefrieren … Weiterlesen Münchhausen lacht.

Der Postbote.

Er kam jeden Vormittag um elf Uhr fünfundzwanzig. Nicht vierundzwanzig, nicht sechsundzwanzig. Genau elf Uhr fünfundzwanzig, jeden Tag, von Montag bis Freitag, und die Atomuhr, sie mag das Uhrzeitdiktat für sich beanspruchen, will genauer sein als alle anderen Uhren, doch gegen seine Präzision hätte sie nichts ausrichten können. Er war die Definition von Pünktlichkeit in … Weiterlesen Der Postbote.

Helden.

Martin war ein Prediger, und eines Tages stand er vor einer Viertelmillion Menschen und sagte, er habe einen Traum, und die Menschen hörten zu, und die Menschen träumten mit, und Martin erzählte weiter, erzählte von seinem Traum, und die Menschen nannten ihn einen Helden, und fünf Jahre später war er tot, und er träumte nicht … Weiterlesen Helden.

Der Boxer.

Er wollte Forscher werden, Archäologe vielleicht. Er mochte Dinosaurier, mochte die Welt, wie sie vor Jahrmillionen war, und nur zu gerne hätte er nach Reliquien gegraben, nach Überresten aus der Kreidezeit. Später wollte er dann Langlaufprofi werden, oder Lehrer, womöglich Sportlehrer, obwohl er sich in Turnhallen merklich unwohl fühlte. Während sich seine Freunde eine Zukunft … Weiterlesen Der Boxer.

Subtraktion. Ein Tanz.

Die aufgeschürfte Stelle am Kinn. Die ungelesenen Bücher im Regal. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Den Körper ihrer Katze, den sie damals als Kind auf der Straße fand. Die leeren Stellen in ihrer Biografie. Das Knarren der Dielen, bevor er kam. Den Hunger. Die Sehnsucht nach Wärme. Den toten Vater. Ihr Spiegelbild im ausgeschalteten Fernseher. … Weiterlesen Subtraktion. Ein Tanz.

Landschaft Zwei.

Man erschafft sich seine eigene Landschaft, und für Nichtgötter klingt das mühsam, strapaziös, doch eine Landschaftserschaffung ist eigentlich ganz einfach, man braucht keine teuren Gartengerätschaften aus dem Baumarkt und auch keinen Löffelbagger, man muss gar nicht viel tun, nur hinsehen, hersehen, herbeisehnen, sich hingeben, hineinbegeben, denn die Landschaft, sie beginnt immer dort, wo man selbst … Weiterlesen Landschaft Zwei.

Landschaft Drei.

Man erschafft sich seine eigene Landschaft. Seinen eigenen Hügel, den eigenen Buckel im Terrain. Und dann, beim Betrachten dieses Hügels, denkt man an die Beule, die man sich als kleines Kind zuzog, als man mit dem Dreirad durch die Wohnung raste und sich eine Schwelle in den Weg stellte, wodurch man an eine Ecke im … Weiterlesen Landschaft Drei.

Flugzeuge.

Sie liegt auf der Straße und sich selbst im Weg. Die Welt ist hell, das Licht eine arrogante Macht, und die Blätter der Bäume tanzen in einem Wind, den sie schon lange nicht mehr spürt. Irgendwann tauchten sie auf, die Flugzeuge, zu Beginn nur als kleine Punkte im Stillleben des Horizonts. Doch sie kamen rasch … Weiterlesen Flugzeuge.

Konserviert.

Seine Hände zittern. Sie gleiten über ihre Haut, und sie zittern, noch mehr als sonst. Die Finger wandern unsicher über den Bauch, stolpern über die Falten und verfangen sich kurz im Nabel. Er berührt ihre Brüste, die poröse Haut, die ein wenig lose über dem Gewebe liegt. Sie sind noch immer wunderschön, die Brüste. Alles … Weiterlesen Konserviert.

Kleine Kreise.

Die Kreise werden kleiner. Sie waren groß, einst, so groß, dass man sich darin verlor. Eine riesige Fläche. Stand man am Rand, konnte man die gegenüberliegende Seite nicht sehen. Nur die riesige Fläche. Und sich selbst, wie man in den Weiten versickerte. Man trat hinaus aus dem Kreis. Man trat wieder hinein. Der Kreis war … Weiterlesen Kleine Kreise.

Beton und Zehen.

Gebrochenen Zehen scheint nichts Positives innezuwohnen. Sie sehen nicht sonderlich hübsch aus, das Anziehen von Schuhwerk wird zum höchst zweifelhaften Vergnügen, und dann sind da die Schmerzen. Die potenziellen Konsequenzen sind so einleuchtend wie abschreckend, und dennoch geht er das Risiko ein. Mit voller Wucht prallt seine Fußspitze gegen die Betonwand. Nichts bricht. Weh tut … Weiterlesen Beton und Zehen.

Distanzen. Dissonanzen.

Wenn sie ein Auge schließt, entfliehen die Distanzen. Keine Nähe mehr, nichts bleibt greifbar, und alles, was sie sieht, treibt ungenau im Raum. Die Landschaft wird zum flachen Gewühl aus Farben, eine Dimension ist keine Dimension mehr, jede Tiefe ist nur noch Theorie. Sie benennt die Entfernungen. Und sie weitet alles aus, bis sie sicher … Weiterlesen Distanzen. Dissonanzen.

Die entfärbte Welt.

Die Wiesen sind nicht mehr grün, die Magnolien nicht mehr rosa, der Himmel ist am Tag nicht mehr blau und an lauen Abenden weder orange noch violett, und wenn er sich schneidet, rinnt das Blut tiefschwarz über die Haut. Seine Welt ist entfärbt, und was bleibt, sind Schwarz und Weiß und Schattierungen von Grau. Er … Weiterlesen Die entfärbte Welt.

Als Jesus furzte.

Er sah seltsam aus, merkwürdig, sonderbar, eigenartig, doch sie mochte diese eigene Art, die ihrer Ansicht nach viel zu rar geworden war. In seinen langen Haaren hatten sich einige Sonnenstrahlen verfangen und versuchten emsig, sich zu befreien, doch es gelang ihnen nicht, zu dicht war der Schopf, zu verflucht verflochten die dunklen Strähnen, also leuchteten … Weiterlesen Als Jesus furzte.