Das Cello.

17 Gedanken zu “Das Cello.”

  1. „[…] Man schaute immer wieder nach ihr, man fütterte sie mit Brot und Tabletten, aber man verbot ihr, auf dem Cello zu spielen. Sie schwieg, und alles, was man hörte, waren ihre Tränen, die auf den grauen Boden tropften. […] “

    Das mit den Tränen ist wunderschön formuliert!

    Unmenschlichkeit, auch ohne körperliche Gewalt kann einen innerlich auch zugrunde richten und vernichten. Die Abgründe der menschlichen Seele sind bekanntlich sehr tief. Jemandem etwas rauben, das ihm Freude macht, ihn erfüllt, ist seelische Grausamkeit. Leider ist die Situation sehr real, wenn ich da nur an bestimmte Medienberichte zum Beispiel über so manche Altersheimen denke…

    Dabei ist die Freude gerade einer der wichtigsten Attribute des Lebens, wenn nicht überhaupt das Wichtigste. Sie im eigenen Leben zu spüren, ist essenziell. Leider haben dies bis jetzt noch nicht viele Menschen verinnerlicht. Es hat etwas mit Selbstachtung und Selbstliebe zu tun. Oft denke ich, wenn viele es schaffen würden, mehr Freude am Leben zu haben, gäbe es vielleicht keine Depression, Burn-out und Ähnliches.

    Aber klar, der Druck ist überall zu stark, er kommt von allen Seiten, man muss eben funktionieren, bis man sich zu Tode funktioniert hat. Und dann wird es zu spät sein, für die Freude, die man schon gerne in seinem Leben gehabt hätte, aber leider nie dafür Zeit hatte. Oft nicht einmal dafür, sich selbst darüber Gedanken zu machen, was einem überhaupt im Leben langfristig Freude bereiten würde. Die Menschen setzen sich mit sich selbst zu wenig oder gar nicht auseinander, weil alles schnell gehen muss und anderes immer wichtiger zu sein scheint. Man hat das Gefühl für Ruhe, für Muße verloren.

    Zu viel um die Ohren, zu viel in den Köpfen, zu viel Ablenkung von den Dingen, die wirklich wichtig im Leben wären. Viele fühlen sich verloren, sie wissen nicht, wer sie eigentlich sind, sie suchen ständig nach sich selbst, aber finden tun nur die Wenigsten, wonach sie suchten. Das finde ich schade.

    Ich wage zu behaupten: Wenn man gefunden hat, was in seinem Leben wahre Freude macht, dann hat man sich selbst gefunden, man braucht nicht länger zu suchen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung zum Thema.

    Liebe Grüße
    Annie H. / Herbststill

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    1. Ich danke dir, fürs Lesen, für deine persönliche Meindung, für deine Worte. Und ja, die Freude, die wahrhaftige Freude, sie trennt wohl das Leben vom Existieren. Ohne Freude, worin auch immer man sie findet, kann’s wohl kein Leben geben, dann ist’s nur noch ein Zeitverstreichenlassen oder dergleichen. Das Finden der Freude, es ist jedoch nicht immer so einfach, wie man glaubt…
      Nochmals lieben Dank; deine Worte und die Tatsache, dass du sie hier geschrieben hast, sie freuen mich sehr…

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  2. weitersagen lese ich unter der Geschichte…weitersagen…
    da spielt eine Cello, eine, deren ganzes Sein in der Ton-Dimension nachklingt, als ob die Welt auf Saiten gespannt singt, im Zupfen der Töne das ganze Leben klingt, es sei Berufung, sagen die einen, es sei des Teufels persönliche Behufung wollen andre meinen…während Cellotöne weinen, lachen und klagen, ich lausche berührt…
    und will davon erzählen, es weitersagen….

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    1. Vielen Dank dir fürs Hinhören, fürs Zuhören, fürs berührte Lauschen, während sie Cello spielte; und vielen lieben Dank fürs Lesen und für deine wunderbaren Worte… Herzliche Grüsse…

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      1. Ja, ja… natürlich. Aber deine Geschichten benutze ich mittlerweile als Ersatzdroge… für Zwischendurch. Ein beunruhigendes Gefühl hat für mich eine eindeutig höhere Wertigkeit als ein dumpf-fröhliches Freudengefühl.

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  3. Traurig und berührend die Geschichte….leider ein Mangel und Merkmal unserer Zeit, dass genaue Hinhören, Zeit nehmen, sich einlassen auf die Seele des Menschen, anstatt viel zu schnell zu werten, zu urteilen, jemanden ins abseits drängen…

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    1. Irgendwie hast Du recht…. aber, ich frage mich gerade…. waren die Zeiten je anders? Vielleicht ist es sogar heute in einigen Kulturen anders…. ich weiß gar nicht, ob ich das Verhalten der anderen in der Geschichte bewerten mag…. ist bewerten das richtige Wort….?….Frage mich gerade, ob wir überhaupt unserer eigenen Seele genug zuhören, um denen anderer zuhören zu können, wenn ich das mal so verallgemeinern darf…..

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      1. Die Zeiten, sie waren bestimmt anders, irgendwie, ebenso die Menschen, schon allein durch die wandelnden Umstände und Hintergründe. Das Urteilen und Verurteilen ist aber wohl kaum eine Erfindung der Neuzeit; es entstand wohl zur gleichen Zeit wie der Mensch an sich, und in gewissen Zeiten der Geschichte dürfte es sogar überlebenswichtig gewesen sein. Früher.

        Und ja, wahrscheinlich beginnt unsere Hörschwäche oft schon bei uns selbst…

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