Im Innern, im Erinnern.

Vor den Fenstern ein lautes Krachen. Sie zuckt zusammen, doch die Augen bleiben geschlossen. Vielleicht ein Unfall, vielleicht eine Explosion. Vielleicht der Krieg, vielleicht die Apokalypse. Es ist ihr egal. Es ist weit weg. Es ist draußen. Sie ist im Innern, im Erinnern. Das krachende Geräusch verhallt, versickert in der Ferne, die unmittelbar nach den … Weiterlesen Im Innern, im Erinnern.

Chiaroscuro.

Da ist dieses Bild, wenn er die Augen schließt, ein Bild von ihr, ein Bild, das keine Flächen kennt, ein Bild mit mehr als zwei Dimensionen, da ist nicht nur Chiaroscuro, da ist mehr als nur die starke Kontrastierung von Hell und Dunkel, da ist die plastische Wirkung eines Bildes, er schließt die Augen und … Weiterlesen Chiaroscuro.

Nicht bei Bewusstsein.

Der Kopf verliert sein Gewicht, verliert seine Masse, ein hohles Konstrukt ohne Druck und Ballast, die Ströme erstarren, die Zeit, sie bleibt stehen, und die Zeit, sie läuft weiter, sie treibt auseinander und reißt kleine Spalten ins Gefüge, schmale Ritzen, in denen alles verschwindet, wie Staub zwischen Dielen, und das gesamte Bewusstsein, über welches wir … Weiterlesen Nicht bei Bewusstsein.

Die Zeit zerstört alles.

Während ihr alles entgleitet, gleiten ihre Finger über die Haut. Stolpern über ihre Lippen, ihr Kinn, ihren Hals. Zwischen den Brüsten kommen sie kurz zur Ruhe, bewegen sich dann langsam zur Seite. Die Daumen umkreisen die Brustwarzen, ganz vorsichtig, als wären sie zerbrechlich. Wahrscheinlich sind sie es. Alles ist zerbrechlich. Als sie sich kennenlernten, kreiste … Weiterlesen Die Zeit zerstört alles.

Das Gift der Biene.

Wenn sie den Atem anhält und die Augen schließt, hört sie das Summen, spürt das sanfte Vibrieren. Manchmal wohnt einem Flügelschlag die gewaltigste Kraft inne. Manchmal erzählt eine kleine Bewegung eine größere Geschichte als jedes Buch. Und manchmal überdauert eine Berührung alle Zeiten. Bienen verfügen über eine visuelle Erinnerung, eine Art Landkarte im Gedächtnis. Damals … Weiterlesen Das Gift der Biene.

Die Raststätte.

Eine verlassene Raststätte mit einigen Zimmern, ein merkwürdiges Konstrukt im Niemandsland, kahle Mauern, die Architektur aus einer anderen Zeit. Einst war dieses Gebilde wohl ein Zeichen für den Aufbruch in eine helle Zukunft, doch mit der Zeit schwindet das Licht, und nun ist es dem Abbruch geweiht und die Zukunft nur ein weiteres gebrochenes Versprechen. … Weiterlesen Die Raststätte.

Nirgendwo überall.

Der Sessel knarrt, er ächzt und stöhnt, armer Sessel, bemitleidenswert und gequält, doch Liebende haben kein Mitleid mit armen Sesseln, Liebende haben überhaupt kein Mitleid im Moment des Liebens, sie haben nur sich selbst, im Kopf und in jedem Nervenstrang, sie sind nirgendwo und überall, armer Sessel, arme Möbel, arme Welt, alles ist inaktiv in … Weiterlesen Nirgendwo überall.

Eine Armlänge.

Der Mann neben ihr schläft. Schnarchend und schnaubend, wie so oft nach Abenden und Nächten, in denen zu viel geredet wurde, zu viel getrunken, zu viel geflucht. Sie liegt wach, im schwachen Licht eines trüben Morgens. Draußen vor dem Fenster fahren vereinzelte Autos über den nassen Asphalt. Es rauscht, doch das tut es immer. Sie … Weiterlesen Eine Armlänge.

Das Wir.

Wir sind aufeinander, wir sind untereinander, wir sind nebeneinander, wir sind miteinander, wir sind ineinander, ergriffen und ergreifend, verschlungen und verschlingend, in der Mitte aller Dinge, der einzige warme Punkt im erstarrten Universum, wir schließen die Augen und sehen im Dunkeln, wir öffnen die Münder, wir trinken und sind trunken, ein Blinken im Augenwinkel, ein … Weiterlesen Das Wir.

Hannas Geschirrtuch.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, sagte ihr Vater, er sagte es immer wieder, und die Mutter sagte es auch, sie stickte es sogar auf ein Geschirrtuch, und das Geschirrtuch hat Hanna lange Zeit behalten, manchmal trocknete sie damit ihre Weingläser, zumindest versuchte sie es, doch immer blieb ein feuchter Film zurück, … Weiterlesen Hannas Geschirrtuch.

Carnivora.

Wir halten uns wortlos, unsere Körper haften aneinander, und man könnte meinen, sie wären magnetisch, doch sie sind es nicht, da ist kein Metall, wir sind nackt, die Poren sind offen, feine Schweißtropfen verdunsten im dunklen Raum, und man könnte meinen, wir stünden unter Stress, doch das tun wir nicht, wir sind angespannt und entspannt … Weiterlesen Carnivora.

Ka(t)rin.

Karin lässt ihre Hand über das Laken gleiten. Sanft und zitternd. Etwas könnte zerbrechen. Dann graben sich die Finger in den Stoff. Katrin hat das Licht gedimmt und die Kerzen angezündet, sie duften nach Rosen und Sandelholz. Sie hat die CD von Portishead eingelegt, die Musik tröpfelt leise in den Raum. Als Katrin ihren Namen … Weiterlesen Ka(t)rin.

Helena.

Sie war wunderschön. Sie war damals die Schönste, schöner als der ganze Rest, und wenn es mir möglich war, sie zu sehen, war sie die einzige Frau der Welt. Es gab keine anderen Frauen mehr, nirgends. Nur sie. Helena. Helena stand am Strand eines Meeres, das ich nicht kannte. Sie trug lediglich ein Bikini-Höschen, sonst … Weiterlesen Helena.

Gegenüber.

Sie sitzen sich gegenüber, und sie sind nackt. Zwischen ihren Brüsten liegt ein Schatten, ein dunkles Tal, das über ihren Bauch zu ihrem Schoss führt. Seine Hände gleiten über ihren Körper, vorsichtig und leicht zitternd, als wäre die Haut aus dünnem Papier. Sie sind nackt. Jedoch wären sie es auch, wenn sie bekleidet wären. Sie … Weiterlesen Gegenüber.

Konserviert.

Seine Hände zittern. Sie gleiten über ihre Haut, und sie zittern, noch mehr als sonst. Die Finger wandern unsicher über den Bauch, stolpern über die Falten und verfangen sich kurz im Nabel. Er berührt ihre Brüste, die poröse Haut, die ein wenig lose über dem Gewebe liegt. Sie sind noch immer wunderschön, die Brüste. Alles … Weiterlesen Konserviert.

Wir fallen in Sehnsucht.

Die Welt ist kompliziert, jede Welt ist kompliziert, jeder Tag und jeder Mensch, jede Emotion und jeder Blick, so scheinbar offensichtlich und doch so ungemein komplex, und manchmal verrechnen wir uns, verstricken und verrennen uns, straucheln und fallen in unserer Sehnsucht nach einem Verstehen, nach Kenntnis und Erkenntnis, scheitern in den Versuchen, das Unbegreifliche begreiflich … Weiterlesen Wir fallen in Sehnsucht.

Sexist.

Er kleidet die Schönheit ihres nackten Körpers in Worte, versucht es zumindest, denn zur Gänze gelingen kann es nicht. Er schreibt, wie er seine Hände über ihre zarte Haut führt, wie sie über ihre Formen und Konturen gleiten wie ein Schwan über den stillen See. Er schreibt, wie er ihren Hals küsst, ihre Brüste, ihren … Weiterlesen Sexist.