Spalten im Zwiespalt.

Sie zeigt sich zweifach, zeigt sich gegen außen und zeigt sich gegen innen, und manchmal wird sie wütend, wenn sie vor dem Spiegel steht und alles verschwimmt und verschwindet, wenn die Ebenen sich überlagern und die Konturen sich separieren, zwei Gesichter und jedes ein Trugbild, es gibt keine Klarheit, keine Gewissheit, und dann verliert sie … Weiterlesen Spalten im Zwiespalt.

Der Zement der Verzweifelten.

Ein renommierter saudischer Prediger misshandelt und vergewaltigt seine fünfjährige Tochter mehrfach. Ihr Rücken wird dabei gebrochen, der Mastdarm herausgerissen. Das Mädchen stirbt nach mehrmonatigem Überlebenskampf im Spital. Der Vater gesteht die Tat und wird verurteilt. Das Gericht sieht von Haft ab, die Strafe beinhaltet nur eine Entschädigungszahlung an die eigene Familie. In Indien vergewaltigen sechs … Weiterlesen Der Zement der Verzweifelten.

In ihren Räumen.

Sie ist da, und sie ist nirgendwo, allein in diesem Zimmer, in dessen Winkeln sich der Staub sammelt, allein in dieser Stadt, zwischen Millionen leeren Gesichtern, in dieser Welt, die auch im Sommer nicht wärmt, und während draußen kalte Lichter durch die urbanen Adern fließen, hat sie sich über die Rückenlehne des Sofas gelegt, wie … Weiterlesen In ihren Räumen.

Bodenlose Liebe.

Es ist schwierig, von Liebe zu schreiben, ohne sich in Peinlichkeiten und Limitierungen zu verlieren. Kaum ein anderes Wort muss sich so viel gefallen lassen, kaum eines kommt so inflationär zum zweifelhaften Einsatz wie eben jene Liebe. Ein örtlicher Kleinbetrieb ist auf Teppiche spezialisiert und wirbt mit dem Versprechen: Sie werden Ihren Boden lieben. Ich … Weiterlesen Bodenlose Liebe.

Fallende Vasen.

Die Vase. Sie steht auf dem Tisch, scheinbar robust, mit Mustern bemalt, mit Blumen gefüllt. Wo sie ist, gehört sie hin, es ist ihr Platz in der Welt. Doch dann, vielleicht eine unglückliche Bewegung, ein unsachgemäßer Umgang, eine Unachtsamkeit, und die Vase, sie fällt zu Boden, zerbricht in einzelne Teile, kleine Fragmente splittern ab. Scherben … Weiterlesen Fallende Vasen.

Menschen Insekten.

Sie verzichten. Nicht auf Unnötiges, nicht auf Überflüssiges. Sondern auf Grundsätzliches. Auf ihre Freiheit, auf Teile ihrer Identität. Sie schmälern ihren Wert, beugen ihren Charakter, entsagen Bedürfnissen. Und alles, was sie dabei gewinnen mögen, ist die Gewissheit, irgendwo irgendwie dazugehören zu können. Sie geben sich auf und einer diffusen Überzeugung hin, sie glauben nicht mehr … Weiterlesen Menschen Insekten.

Das Leben, ein Haus.

Jeder Mauerstein erzählt von der Zeit und den Dingen, die sie mit sich trug. Jeder Dachziegel ist Zeuge der Jahreszeiten, der kalten Winde und der heißen Sommertage. Die Wände, sie zeigen ihre Wunden, die Holzbalken ächzen hin und wieder unter dem Gewicht, und der Boden, er knarrt an gewissen Stellen ob des Drucks. Das Haus, … Weiterlesen Das Leben, ein Haus.

Das Erschrecken der Buchstaben.

Alles beginnt mit der Frage, ob Buchstaben eigentlich erschrecken, wenn man eine Seite aufschlägt, und die Frage, sie ist natürlich berechtigt, so berechtigt, dass sie eine Antwort verdient, oder zumindest den Versuch einer Antwort, denn absolute Antworten sind selten und meistens auch ziemlich langweilig, darum hier also der Versuch einer Antwort, ganz kurz, nur ein … Weiterlesen Das Erschrecken der Buchstaben.

Der Trompetenspieler.

Er steht jeweils da, am Fenster seiner kleinen Hütte im Nirgendwo, blinzelt in das Dickicht aus Bäumen und Sträuchern, er ist nackt und spielt seine Trompete. Mancher Ton ist schief, doch jeder hat seine Berechtigung, eine diffuse Relevanz, und die Melodien, sie sind nicht immer schön oder harmonisch, aber sie haben ihren Wert, sie verleihen … Weiterlesen Der Trompetenspieler.

Nathanael und die Liebe.

Die Mutter fluchte und blutete, als Nathanael das Licht der Welt erblickte. Er verstand keines der Worte, die sie ähnlich gewaltsam zwischen ihren schmalen Lippen herauszupressen schien wie zuvor bereits seinen kleinen Körper zwischen ihren Schenkeln, doch sie klangen höchst unzufrieden, die Worte, und Nathanael hatte ein schlechtes Gewissen. Sein Vater war nicht zugegen. Später … Weiterlesen Nathanael und die Liebe.

Ausfransen im Niemandsland.

Zwischen dem Ich und dem Du der anderen ist ein Niemandsland, ein Raum in diffusem Licht und zerstreuten Farben, unbegreiflich, unfassbar. Es gibt kein Wissen dort, kein Kennen, keine Sicherheit, nur Mutmaßungen und Ahnungen, mögliche Bilder in kargen Skizzen ohne Kontur oder Profil. Der Blickwinkel gekrümmt, ein Wechsel der Perspektiven, und man ist nicht mehr … Weiterlesen Ausfransen im Niemandsland.

Gut ist, was zählt.

Wir hadern damit, dass die Liebe kein Monopol hat, dass wir sie fühlen und trotzdem weinen, trotzdem wüten, und das Leben, das wir leben, ist so, wie es sein soll, und dennoch reibt es uns auf, in gewissen Momenten, der kalte Wind schlägt uns ins Gesicht, lässt Lächeln gefrieren, und manchmal öffnen wir Ventile, der … Weiterlesen Gut ist, was zählt.