Was man tun muss.

Man muss doch den Müll trennen, die alten Zeitungen in die Altpapiersammlung geben, die leeren Flaschen in den Glascontainer werfen und Batterien in die dafür vorgesehenen Behälter. Man muss doch kompostieren. Man muss doch seine Träume leben, nach Höherem streben, nach vorne und hinein in die Zukunft. Man muss doch jeden Moment auskosten, jeden Tag … Weiterlesen Was man tun muss.

Explosion.

Irgendwann fällt man vom Rad und bleibt liegen. Kein Knall, kein Geräusch, nur eine stumme Explosion, eine Detonation ohne Ton. Da werden Tage gestapelt, Wochen und Jahre, ein bunter Haufen aus Lebensfragmenten, man nimmt alles mit und speichert es ab, es sammelt sich an und häuft sich. Man baut sich ein Haus, man baut sich … Weiterlesen Explosion.

Tränen in der Sahara.

Man verliert sich aus den Augen, aus den Augen aus dem Sinn, die Entfernung zwischen dem besinnungslos Bedingungslosen und dem sinnlosen Ding wird oftmals in Jahren gemessen, mitunter in Monaten, Wochen, Tagen, und die Jahre und Tage versickern im Boden wie Tränen im Sand, und wenn sich die Zeit zwischen Menschen drängt, liegt selbst das … Weiterlesen Tränen in der Sahara.

Stavros.

Letzthin sah ich Stavros. Er trug Arbeitskleidung und stieg gerade aus einem Auto und ging zu einem Kiosk und sah noch immer genau gleich aus wie früher. Nun sehen nahezu alle Menschen gleich aus wie früher, wenn dieses Früher fünfzehn Minuten zurückliegt, doch in diesem Fall reichte das Früher rund fünfzehn Jahre in die Vergangenheit. … Weiterlesen Stavros.

Die Zeit zerstört alles.

Während ihr alles entgleitet, gleiten ihre Finger über die Haut. Stolpern über ihre Lippen, ihr Kinn, ihren Hals. Zwischen den Brüsten kommen sie kurz zur Ruhe, bewegen sich dann langsam zur Seite. Die Daumen umkreisen die Brustwarzen, ganz vorsichtig, als wären sie zerbrechlich. Wahrscheinlich sind sie es. Alles ist zerbrechlich. Als sie sich kennenlernten, kreiste … Weiterlesen Die Zeit zerstört alles.

Der Tschingg.

Salvatore war ein Tschingg. Viele Menschen nannten ihn damals so, ihn und die anderen, deren Eltern aus Italien in die Schweiz eingewandert waren. Ich nannte ihn Salvatore, schließlich war dies sein Name, und dafür waren Namen doch da, um Personen zu benennen. Ich weiß nicht, ob ich ihn mochte. Er war so alt wie ich … Weiterlesen Der Tschingg.

Ungelegenheiten.

Gelegenheit macht Diebe, Gelegenheit macht Liebe, doch sie hat jede Gelegenheit verpasst, hat keine beim Schopf gepackt, und gelegentlich war sie so sehr in ihre Angelegenheiten verstrickt, dass sie die Gelegenheiten gar nicht als solche erkennen konnte, und all die Dinge, die man nur einmal im Leben macht, hat sie getan, ohne zu bemerken, dass … Weiterlesen Ungelegenheiten.

Markus und Maria und Manfred und Max.

Markus ist ein Arschficker, ein Rosettenprinz, ein Analschakal, ein Schwanzlutscher. Maria ist eine Leckschwester, eine Lippenstiftlesbe, eine Fotzenleckerin, eine Büchsenmasseuse. Findet jedenfalls Manfred, und Manfred ist ein richtiger Mann. Einer mit Eiern, die er fleißig kratzt, einer, der im Stehen pinkelt, aber nicht vom Pinkeln, sondern vom Pissen redet oder davon, ein Bier in die … Weiterlesen Markus und Maria und Manfred und Max.

Objektiv betrachtet.

Männer haben nur Brüste im Kopf. Ein Vorurteil, das selbstverständlich nicht stimmt. Männer haben, wenn es um eine Frau geht, auch deren Beine im Kopf, ihren Po, ihre Hüften. In jedem Fall aber kreisen die Gedanken von Männern lediglich um einzelne Fragmente der Frau. Das klingt natürlich sexistisch, ist aber vor allem natürlich. Wissenschaftler haben … Weiterlesen Objektiv betrachtet.

Dinosaurier.

Stegosaurus, Pterodactylus, Diplodocus, Spinosaurus, Triceratops, Tyrannosaurus Rex, Ceratosaurus – sie kannte sie alle, natürlich auch den Brachiosaurus, den mochte sie am liebsten, damals als Kind. Zwar hörte sie oft, dass Dinosaurier etwas für Jungs wären, während sie sich als Mädchen doch besser für Ponys und Pferde interessieren solle, doch Ponys und Pferde waren ihr vollkommen … Weiterlesen Dinosaurier.

Ein Fötus im Aufzug ohne Zeit und Gewicht.

Ein seltsames Knirschen, ein Knacken, dann der ruckartige Stopp, das kurzzeitige Flackern der Neonbeleuchtung. Und schließlich Stille. Der Aufzug steckt zwischen den Stockwerken, im architektonischen Niemandsland. Ein Kasten aus Kunststoff und Metall, verharrend zwischen den einzelnen Fragmenten der Zeit, einer Zeit, die ausgesperrt bleibt, wie alles andere. Er überlegt kurz, ob er sich unwohl fühlt, … Weiterlesen Ein Fötus im Aufzug ohne Zeit und Gewicht.

Tanzen und spielen.

Der kleine Bär auf dem Bett riecht nach den erstarrten Stunden ihrer Kindheit. Die guten Zeiten sind alt geworden. Sie zündet eine Zigarette an, lässt den Rauch entweichen. Alles entweicht. Zurück bleibt der muffige Geruch, der sich in den Fragmenten der Welt festsetzt. Sie wollte Balletttänzerin werden. Sie hat es nicht geschafft. Du darfst nicht … Weiterlesen Tanzen und spielen.

Ein Mensch wie du und ich.

Dies ist die Geschichte eines Menschen wie du und ich. Ian wuchs in Wales auf, absolvierte die High School, studierte Grafikdesign und wurde bei seinem erfolgreichen Abschluss für seine ausgezeichneten Leistungen geehrt. Er liebte Rockmusik, und nachdem er bereits in verschiedenen Formationen aktiv gewesen war, gründete er 1997 mit einigen Freunden eine neue Band. Von … Weiterlesen Ein Mensch wie du und ich.

Fünf Minuten vor Ladenschluss.

Die adrett gekleideten Staatsmänner, sie schütteln sich die frisch gewaschenen Hände und gratulieren sich gegenseitig zum Erreichen einer Übereinkunft, die den schönen Schein wahrt. Der erschöpfte Langstreckenläufer weint Tränen des Glücks, während ein konserviertes Sinfonieorchester seine Rührung mit einer pathetischen Hymne untermalt, um seinen Sieg zu zelebrieren. Ein Gameshow-Kandidat ballt die Faust und reckt sie … Weiterlesen Fünf Minuten vor Ladenschluss.

Gelb.

Vielleicht ging es gar nie um die Strumpfhosen. Er meinte, die Farbe sei schrecklich und ihre Beine seien dick und krumm, er könne die gelben Dinger nicht mehr ertragen, sie seien eine Beleidigung für sein Auge. Er sprach mit einer süffisanten Selbstgefälligkeit in der Stimme, schleuderte ihr weitere unschöne Worte entgegen, und sie, sie schleuderte … Weiterlesen Gelb.