Wir fallen in Sehnsucht.

Die Welt ist kompliziert, jede Welt ist kompliziert, jeder Tag und jeder Mensch, jede Emotion und jeder Blick, so scheinbar offensichtlich und doch so ungemein komplex, und manchmal verrechnen wir uns, verstricken und verrennen uns, straucheln und fallen in unserer Sehnsucht nach einem Verstehen, nach Kenntnis und Erkenntnis, scheitern in den Versuchen, das Unbegreifliche begreiflich … Weiterlesen Wir fallen in Sehnsucht.

Eine Skizze.

Alles ist bewegt, alles ist so rührig und eifrig, jeder Mensch, den sie sieht, scheint sich zu engagieren, sich einer Aufgabe zu widmen, die ihn definiert, jeder ist definiert, nur sie fühlt sich seltsam vage und obskur, als ob sie lediglich in groben Strichen skizziert worden wäre, sie ist ungenau, ein schemenhafter Entwurf, dem jede … Weiterlesen Eine Skizze.

Immer die Wellen.

Flugrost an der Decke, die Gischt im Gesicht, die Gischt darunter, und dann die Wellen, immer die Wellen, schlagend und peitschend, eine schreiende Wut, stoisch und emotionslos, kalt wie das Wasser, und sie treibt im Raum, alles ist Raum, bis zu den Mauern und dahinter das Nichts, immer das Nichts, ein kahle Kühle umklammert ihre … Weiterlesen Immer die Wellen.

Rauschen, Schweigen.

Da sind Linien in der Haut der Bäume, tief eingekerbte Namen von Liebenden, und die Bäume schreien stumm, sie haben keine Stimme, und alles, was man hört, ist Rauschen. Da sind Linien in der Haut der Körper, tief eingekerbte Dramen von Leidenden, und die Körper schreien stumm, sie haben keine Stimme, und alles, was man … Weiterlesen Rauschen, Schweigen.

Sexist.

Er kleidet die Schönheit ihres nackten Körpers in Worte, versucht es zumindest, denn zur Gänze gelingen kann es nicht. Er schreibt, wie er seine Hände über ihre zarte Haut führt, wie sie über ihre Formen und Konturen gleiten wie ein Schwan über den stillen See. Er schreibt, wie er ihren Hals küsst, ihre Brüste, ihren … Weiterlesen Sexist.

Nach dem Kampf.

Sie weiß nicht mehr, wann es begann, weiß nicht mehr, wann sie aufhörte, sich zu wehren, sich zu entrüsten, aufzuschreien, doch damals ließ sie es nicht einfach geschehen, damals widersetzte sie sich, kämpfte mit allen Kräften, doch dieses Damals ist längst vorbei und verendet, vergraben unter den Jahren, sie ist des Kämpfens müde, und nun … Weiterlesen Nach dem Kampf.

Durchschaubar.

Schon einige Male sagte man ihr, sie sei leicht zu durchschauen, man sprach von ihrer seidenpapierdünnen Haut und vom trivialen Glanz ihrer Oberfläche, von einer Hülle ohne Inhalt und von hübscher Einfalt, und sie hörte zu, weil sie nicht anders konnte, war den Worten ausgeliefert wie ein angeleintes Nutztier der Gerte, nur dass die blutroten … Weiterlesen Durchschaubar.

Die Umarmung im Innern.

Sie sind zu klein, sind zu leicht, und wenn die Winde wehen, treiben sie weg, treiben weg vom Gewohnten und hinein ins Ungewisse, und wenn nichts von Dauer und Beständigkeit ist, gibt es keine Absolutheit, sogar das Bekannte bleibt obskur, bleibt labil, die Wirklichkeit ist flüssig, ein Strom, der sich durch das Leben windet, stetig … Weiterlesen Die Umarmung im Innern.

In ihren Räumen.

Sie ist da, und sie ist nirgendwo, allein in diesem Zimmer, in dessen Winkeln sich der Staub sammelt, allein in dieser Stadt, zwischen Millionen leeren Gesichtern, in dieser Welt, die auch im Sommer nicht wärmt, und während draußen kalte Lichter durch die urbanen Adern fließen, hat sie sich über die Rückenlehne des Sofas gelegt, wie … Weiterlesen In ihren Räumen.

Bodenlose Liebe.

Es ist schwierig, von Liebe zu schreiben, ohne sich in Peinlichkeiten und Limitierungen zu verlieren. Kaum ein anderes Wort muss sich so viel gefallen lassen, kaum eines kommt so inflationär zum zweifelhaften Einsatz wie eben jene Liebe. Ein örtlicher Kleinbetrieb ist auf Teppiche spezialisiert und wirbt mit dem Versprechen: Sie werden Ihren Boden lieben. Ich … Weiterlesen Bodenlose Liebe.

Das Atmen der Körper.

Die Welt brennt und wütet, alles ist Schall und Rauch, doch in der Dunkelheit des Raumes ist es still, beinahe, nur das Atmen der Körper ist zu hören; ihre Haut ist warm und weich, mehr als eine Hülle, und nachtblind folgen seine Hände den Konturen, den unsichtbaren Wegen durch vertraute Formen; sie drängen zueinander, wie … Weiterlesen Das Atmen der Körper.

Winzige Diamanten.

Mit feinen Nadeln dringt die Kälte unter seine Haut, die Muskeln angespannt, um den Körper vor stetem Zittern zu bewahren. Im fahlen Schein einer alten Straßenlaterne glitzert der Asphalt vor ihm, winzige Diamanten auf schwarzem Grund, und er weiß nicht, ob der Boden lediglich feucht ist oder sich eine Eisschicht gebildet hat. Die kahlen Bäume … Weiterlesen Winzige Diamanten.

Ein, aus, dich.

Von der Stelle hinter deinem Ohr über die Wange hin zum zarten Duft deines Halses; einatmen, ausatmen, dich atmen; von den Schulterknochen über das leise Beben deines Brustkorbs hin zu den sanften Rundungen deine Brüste; einatmen, ausatmen, dich atmen; von deinem warmen Bauch über das leichte Heben deiner Hüften hin zum zarten Flaum in deinem … Weiterlesen Ein, aus, dich.

Carpaccio. Ein Traum.

Was bleibt, ist ein Traum, kein schöner, und in diesem Traum ein weiterer Traum, eine Fantasie. Die Welt und ich, wir waren jünger und einander nicht wohlgesonnen, ich wollte ihr entfliehen und suchte nach Wegen, nach Auswegen. In jenem Traum sehnte ich mich nach Zersetzung, nach Auflösung. Ein stetig wiederkehrender Gedanke. Mit einem langen Messer … Weiterlesen Carpaccio. Ein Traum.

Ein Krokodil, eine Libelle, zwei Körper.

Ein Krokodil am Himmel; langsam öffnet es sein gewaltiges Maul, sein Schwanz windet sich. Eine Libelle in der Luft; unaufhörlich folgt sie ihrer Route, verharrt nur manchmal in der Schwebe. Zwei Körper auf einer Wiese; nackte Haut, keine Zwischenräume, jede Bewegung verdichtet das Spiel. Das Krokodil schnappt zu, gelassen und träge, verschlingt seine unsichtbare Beute. … Weiterlesen Ein Krokodil, eine Libelle, zwei Körper.