Das Leben, ein Haus.

Jeder Mauerstein erzählt von der Zeit und den Dingen, die sie mit sich trug. Jeder Dachziegel ist Zeuge der Jahreszeiten, der kalten Winde und der heißen Sommertage. Die Wände, sie zeigen ihre Wunden, die Holzbalken ächzen hin und wieder unter dem Gewicht, und der Boden, er knarrt an gewissen Stellen ob des Drucks. Das Haus, … Weiterlesen Das Leben, ein Haus.

Das Erschrecken der Buchstaben.

Alles beginnt mit der Frage, ob Buchstaben eigentlich erschrecken, wenn man eine Seite aufschlägt, und die Frage, sie ist natürlich berechtigt, so berechtigt, dass sie eine Antwort verdient, oder zumindest den Versuch einer Antwort, denn absolute Antworten sind selten und meistens auch ziemlich langweilig, darum hier also der Versuch einer Antwort, ganz kurz, nur ein … Weiterlesen Das Erschrecken der Buchstaben.

Der Trompetenspieler.

Er steht jeweils da, am Fenster seiner kleinen Hütte im Nirgendwo, blinzelt in das Dickicht aus Bäumen und Sträuchern, er ist nackt und spielt seine Trompete. Mancher Ton ist schief, doch jeder hat seine Berechtigung, eine diffuse Relevanz, und die Melodien, sie sind nicht immer schön oder harmonisch, aber sie haben ihren Wert, sie verleihen … Weiterlesen Der Trompetenspieler.

Ausfransen im Niemandsland.

Zwischen dem Ich und dem Du der anderen ist ein Niemandsland, ein Raum in diffusem Licht und zerstreuten Farben, unbegreiflich, unfassbar. Es gibt kein Wissen dort, kein Kennen, keine Sicherheit, nur Mutmaßungen und Ahnungen, mögliche Bilder in kargen Skizzen ohne Kontur oder Profil. Der Blickwinkel gekrümmt, ein Wechsel der Perspektiven, und man ist nicht mehr … Weiterlesen Ausfransen im Niemandsland.

Gut ist, was zählt.

Wir hadern damit, dass die Liebe kein Monopol hat, dass wir sie fühlen und trotzdem weinen, trotzdem wüten, und das Leben, das wir leben, ist so, wie es sein soll, und dennoch reibt es uns auf, in gewissen Momenten, der kalte Wind schlägt uns ins Gesicht, lässt Lächeln gefrieren, und manchmal öffnen wir Ventile, der … Weiterlesen Gut ist, was zählt.

Das Atmen der Körper.

Die Welt brennt und wütet, alles ist Schall und Rauch, doch in der Dunkelheit des Raumes ist es still, beinahe, nur das Atmen der Körper ist zu hören; ihre Haut ist warm und weich, mehr als eine Hülle, und nachtblind folgen seine Hände den Konturen, den unsichtbaren Wegen durch vertraute Formen; sie drängen zueinander, wie … Weiterlesen Das Atmen der Körper.

Irrende Ameisen

Je mehr man sich von uns entfernt, desto lächerlicher wird unser Treiben, unsere Bedeutung schwindet mit wachsender Distanz. Wir werden von Körpern und Köpfen zu irrenden Ameisen, zu einzelnen Punkten, dann zu einem kollektiven Schimmer und schließlich zu einem Klumpen. Je näher wir uns kommen, desto lächerlicher wird das Treiben der Welt, unsere Bedeutung wächst … Weiterlesen Irrende Ameisen

Sehnen, Entzündung.

Vereinzelte Klaviertöne erzählen von einer Zeit, die es längst nicht mehr gibt, von einer Zeit vor der Zeit, vergraben unter den Dingen, die sich häufen und ansammeln, unaufhörlich, und vielleicht gibt es ihn, den Moment im Leben, den man sehnlichst erreichen will, wenn man jünger ist, und an den man sich zurücksehnt, wenn man älter … Weiterlesen Sehnen, Entzündung.

Analphabeten.

A schreit und B schreit lauter, denn A glaubt, dass B etwas hat, was A gehört, während B darauf beharrt, dass es B zusteht, und C möchte derweil etwas von B, kann aber nur davon flüstern, denn eigentlich ist C auf der Seite von A, weil B etwas anderes glaubt als A und C, was … Weiterlesen Analphabeten.

Der Mann auf der Mauer.

Die Kälte atmet Wolken aus, das grelle Neonlicht vertreibt die Dunkelheit des frühen Morgens vom Bahnhofsgelände und macht die Gesichter weiß. Liebende küssen sich, als wäre der Abschied für immer, sehr wichtige Menschen sind sehr in Eile, leere Blicke fallen ins Nichts, alles wartet, alles schweigt, nur ein Mann sitzt auf einer kleinen Mauer, trinkt … Weiterlesen Der Mann auf der Mauer.

Wie es kommt.

Wie kommt es, dass wir uns die Liebe nicht erklären können, aber tausend Gründe finden, um andere zu hassen? Wie kommt es, dass wir unsere Kinder lehren und belehren, aber als Erwachsene aufgegeben haben, aus Fehlern und überhaupt zu lernen? Wie kommt es, dass wir stets zu wissen glauben, was falsch läuft, aber in der … Weiterlesen Wie es kommt.

Gleich verschieden.

Wir sind alle gleich, doch wir sind alle gleich erzürnt, sobald jemand anders ist. Wir wären so gern einzigartig und finden es eigenartig, wenn jemand andersartig ist. Wir wollen Grenzen überschreiten, doch wir setzen Grenzen, wer die Grenze zu uns überschreiten darf. Wir gestatten jedem seine Meinung, doch wer unsere Meinung nicht teilt, dem sagen … Weiterlesen Gleich verschieden.

Womöglich Konjunktiv.

Womöglich hätte bereits ein weiteres Falschabbiegen genügt. Womöglich würde er dann in zerfetzten Kleidern durch den Morast seiner Existenz waten. Womöglich wäre diese Existenz dann auch gar nicht mehr existent. Womöglich hätte er dann mehr verletzt und wäre mehr verletzt worden. Womöglich könnte er dann viel weniger fühlen. Womöglich wäre die Liebe dann nur in … Weiterlesen Womöglich Konjunktiv.