Fallende Vasen.

Die Vase. Sie steht auf dem Tisch, scheinbar robust, mit Mustern bemalt, mit Blumen gefüllt. Wo sie ist, gehört sie hin, es ist ihr Platz in der Welt. Doch dann, vielleicht eine unglückliche Bewegung, ein unsachgemäßer Umgang, eine Unachtsamkeit, und die Vase, sie fällt zu Boden, zerbricht in einzelne Teile, kleine Fragmente splittern ab. Scherben … Weiterlesen Fallende Vasen.

Der Trompetenspieler.

Er steht jeweils da, am Fenster seiner kleinen Hütte im Nirgendwo, blinzelt in das Dickicht aus Bäumen und Sträuchern, er ist nackt und spielt seine Trompete. Mancher Ton ist schief, doch jeder hat seine Berechtigung, eine diffuse Relevanz, und die Melodien, sie sind nicht immer schön oder harmonisch, aber sie haben ihren Wert, sie verleihen … Weiterlesen Der Trompetenspieler.

Ausfransen im Niemandsland.

Zwischen dem Ich und dem Du der anderen ist ein Niemandsland, ein Raum in diffusem Licht und zerstreuten Farben, unbegreiflich, unfassbar. Es gibt kein Wissen dort, kein Kennen, keine Sicherheit, nur Mutmaßungen und Ahnungen, mögliche Bilder in kargen Skizzen ohne Kontur oder Profil. Der Blickwinkel gekrümmt, ein Wechsel der Perspektiven, und man ist nicht mehr … Weiterlesen Ausfransen im Niemandsland.

Gut ist, was zählt.

Wir hadern damit, dass die Liebe kein Monopol hat, dass wir sie fühlen und trotzdem weinen, trotzdem wüten, und das Leben, das wir leben, ist so, wie es sein soll, und dennoch reibt es uns auf, in gewissen Momenten, der kalte Wind schlägt uns ins Gesicht, lässt Lächeln gefrieren, und manchmal öffnen wir Ventile, der … Weiterlesen Gut ist, was zählt.

Hautsache.

Er mag sie nicht. Da stehen zwei junge Männer, einige Meter von ihm entfernt, und er hat sie wahrscheinlich noch nie zuvor gesehen, doch er mag sie nicht. Sie sind nicht die einzigen, die am Bahnhof stehen, nicht die einzigen, die sich lauthals unterhalten, nicht die einzigen, die miteinander lachen, doch sie sind die einzigen, … Weiterlesen Hautsache.

Hinter Gittern.

Man muss kein Verbrechen begehen, um im Gefängnis zu landen, es bedarf keiner Mordwaffe, keines Blutvergiessens, um sich der Freiheit zu berauben, und auch ohne Prozess und Schuldspruch kann man zum Leben hinter Gittern verurteilt werden, ein Leben auf wenigen Quadratmetern, zwischen stummen Mauern, und da ist nicht genug Raum, um nach hinten fallen zu … Weiterlesen Hinter Gittern.

Leben in Zahlen.

Man kann vorsichtig schätzen, wie viele Jahre man als Lebewesen verbringen wird, kann diesen Wert in Tage umrechnen, das Resultat als Nenner festlegen und so zumindest in der Theorie die bruchteilhafte Bedeutung eines Tages im Vergleich zum ganzen Leben definieren. Man kann die Dauer des Schlafes in Relation zu den Stunden eines Tages stellen und … Weiterlesen Leben in Zahlen.

Sie erzählen von der Welt.

Sie erzählen vom pulsierenden Leben in den Strassen von New York und von den endlosen Sandstränden auf den Malediven. Sie erzählen von friedvoller Ruhe in den Wäldern Norwegens und von gestillter Abenteuerlust in Australien. Sie erzählen von der Welt und sie lügen. Die Postkarten, sie hängen in unseren Küchen und Fluren, kleine Fenster, ein Ausblick … Weiterlesen Sie erzählen von der Welt.

Gefrässige kleine Monster.

Was ist von Bedeutung? Wäre jeder Moment kostbar, würde das Leben aus allen Nähten platzen. Hätte jede Erinnerung enormen Wert, würde die Gegenwart verblassen und verkümmern. Womöglich ist es erschreckend, sich zu fragen, was wirklich wichtig ist, und erkennen zu müssen, wie kurz die Antwort sein kann. Womöglich scheut man deshalb die Frage. Oder sie … Weiterlesen Gefrässige kleine Monster.

Seinung.

Sie kostet nichts, obwohl sie wertvoll ist, und dennoch wollen sich viele Menschen keine leisten. Das ist natürlich verständlich. Es bereitet Mühe, eine zu gestalten, zahlreiche Aspekte sind zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Wer schliesslich eine hat, spürt schnell den Gegenwind im Gesicht, dem es zu trotzen gilt, stösst auf Widerstände, die sich nur mit … Weiterlesen Seinung.

Nicht da.

Was nicht da ist, kann uns dennoch zerstören. Was nicht wirklich ist, kann die Wahrheit entkräften. Und was man nicht loslässt, kann jeden Halt rauben. Werden Tage ungut gefüllt, bleibt nur Leere zurück, ein stummer Raum, der zweifeln und verzweifeln lässt, mit Trugbildern an den Wänden und Tränendunst in der Luft, ein karger Raum, der … Weiterlesen Nicht da.

Eine Welt aus Mustern.

Eine Welt aus Einsen und Nullen, in der es nur um das Funktionieren geht, um Zahnräder und richtige Verbindungen. Eine Welt aus Koordinaten, in der man sich zurechtzufinden hat oder eben verloren geht, verloren ist. Eine Welt aus Mustern, in die man sich zu fügen weiss oder durch deren Maschen fällt. Eine Welt aus Pro … Weiterlesen Eine Welt aus Mustern.

Ein leerer Raum.

Ein leerer Raum. Ein Raum, gefüllt mit Leere, erfüllt von Leere, bis in alle Ecken vollgestopft mit Leere, ein Raum also, der vor lauter Leere beinahe überquillt, dessen Leere so einnehmend und umfassend ist, dass kein Platz für etwas anderes ist, ein Raum, der keinen Raum lässt für etwas, das nicht Leere ist, der voll … Weiterlesen Ein leerer Raum.

Die Wahrheit.

Es war ein regnerischer Donnerstag, als ich meinen Verstand verlor. Ich weiss dies deshalb so genau, weil heute Freitag ist und sich besagtes Ereignis gestern zugetragen hat. Der Verlust des Verstandes ist ziemlich schwerwiegend, denke ich. Überhaupt ist es meistens unangenehm, etwas zu verlieren. Bei einer Klassenfahrt verlor ich, damals wohl etwa neun Jahre alt, … Weiterlesen Die Wahrheit.