Imaginäre Schrauben.

Du suchst den imaginären Schraubendreher, um den kleinen Geländewagen zu reparieren, der in einen Unfall verwickelt war und nun kaputt ist und Schmerzen hat. Du drehst an imaginären Schrauben, stellst den umgekippten Wagen wieder auf die Räder, und tatsächlich, er fährt einwandfrei, alles ist wieder in Ordnung, und du bist zufrieden und glücklich und stolz, … Weiterlesen Imaginäre Schrauben.

Seinung.

Sie kostet nichts, obwohl sie wertvoll ist, und dennoch wollen sich viele Menschen keine leisten. Das ist natürlich verständlich. Es bereitet Mühe, eine zu gestalten, zahlreiche Aspekte sind zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Wer schliesslich eine hat, spürt schnell den Gegenwind im Gesicht, dem es zu trotzen gilt, stösst auf Widerstände, die sich nur mit … Weiterlesen Seinung.

Das starke Geschlecht.

Sie ziehen Lastwagen, kippen Autos um und tragen Baumstämme die Treppe hoch. Sie sind «The World’s Strongest Men», die stärksten Männer der Welt. Und irgendwie sind sie ziemlich putzig anzusehen, auch wenn dies keineswegs die Resonanz ist, die sie mit ihrem seltsamen Verhalten auslösen möchten. Nein, sie wollen der Welt beweisen, wie stark sie sind. … Weiterlesen Das starke Geschlecht.

Liegen lassen.

Sie ist in der Luft und in uns drin, sie hält uns am Leben und das Leben in uns, sie ist überall und an unmöglichen Orten, sie ist alles und wir wären nichts ohne sie, doch wir, wir schicken sie durch die Hölle, in den Krieg, in endlose Schlachten, wir treten ihr in den Unterleib, … Weiterlesen Liegen lassen.

Krähen.

Womöglich ist es gefährlich, alles zu geben, denn irgendwann hat man nichts mehr, mit leeren Taschen und vollem Kopf steht man in einer Gegend, die man nicht mehr kennt, und sucht nach Bezugspunkten, die es nicht mehr gibt; man ist nackt, nur bedeckt mit einer Schicht aus Scham und Angst, die nicht zu schützen vermag; … Weiterlesen Krähen.

Ein dummer Satz über einen klugen Menschen.

Er ist klug genug, um sich selbst nicht als besonders intelligent zu bezeichnen, und andere sparen nicht mit wenig schmeichelhaften Urteilen, die sie ausserhalb seiner Hörweite und Gegenwart fällen, doch das kümmert ihn nicht, er macht sich nicht viele Gedanken darüber, wie viele Gedanken er sich macht und wie gelenk sie sich in seinem Kopf … Weiterlesen Ein dummer Satz über einen klugen Menschen.

Über deine Wange.

Deine Angst rinnt über deine Wange und brennt auf deiner Haut, das Licht vermag deine Augen nicht zu erreichen du zitterst und weisst nicht, wann dir zum letzten Mal warm war, und wenn du kämpfst, bleibst du dabei still und starr, doch immer wieder gibst du auf, stets nur ein bisschen, stets ein bisschen mehr, … Weiterlesen Über deine Wange.

Augentrost.

Seine Augen schreien. Ich sehe ihn regelmässig, im Zug am Abend, er gehört zu meiner Heimfahrt wie die Zigarette am Bahnhof, doch ich kenne ihn nicht. Wie er heisst, was er tut, woher er kommt, wohin er geht; ich weiss es nicht. Er ist merkwürdig, doch das sind wir alle, und wahrscheinlich wäre er mir … Weiterlesen Augentrost.

All die alten Jahre.

Das alte Jahr, es stirbt, sobald das neue in die Gegenwart tritt, es wird zur Vergangenheit, von der man sich unweigerlich entfernt, und was einst das Leben des Moments war, verflüchtigt sich in diffuse Erinnerungen. All die alten Jahre, sie ruhen auf dem Friedhof der Zeit, Stein steht neben Stein und wir stehen da, die … Weiterlesen All die alten Jahre.

Vielleicht ist alles gar nicht so.

Vielleicht ist alles gar nicht so schlimm. Vielleicht war früher nicht alles besser, sondern nur vieles anders; vielleicht entwickelt sich der Mensch in eine fragwürdige Richtung, lässt den Fragen aber irgendwann Antworten folgen; vielleicht sprengen wir ihn dereinst einfach, den Turm, den wir aus unseren Problemen bauen; vielleicht errichten wir neue Autobahnen, um nicht mehr … Weiterlesen Vielleicht ist alles gar nicht so.

Ein alter Mantel.

Ein alter Mantel, eher zeitlos als modisch, hängt am Haken, wird kaum mehr getragen. Eine kalte Leere wohnt in ihm. Früher trug ich ihn fast immer, er wärmte ganz gut, seine Farbe gefiel mir, und da waren tausend Taschen für tausend Momente, die eminent wichtig schienen. Ein alter Mantel, eher schlicht als üppig geschmückt, hängt … Weiterlesen Ein alter Mantel.

Unter der Decke.

Es ist früher Morgen, die Luft ist kalt und klar. Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Altersheim und wirkt seltsam fremd, eingerahmt von der Kulisse des herrschaftlichen Gebäudes. Das Blitzgerät einer Kamera erhellt in sporadischen Abständen die Dunkelheit des erwachenden Tages. Die Polizisten befinden sich seitlich des Hauses. Sie machen Notizen, nehmen Bilder auf, sammeln Gegenstände … Weiterlesen Unter der Decke.

Obst und Gefühle.

Männer können ihre Gefühle nicht zeigen. Wer diesen Satz einer Suchmaschine ins virtuelle Ohr flüstert, erhält als Antwort über 2,7 Millionen Einträge. Einige Klicks später landet man im undurchdringlichen Dschungel der Diskussionsforen und stolpert immer wieder über die von Männerfingern getippte Feststellung, dass Frauen gar nicht wollen, dass Mann bei seinen Emotionen auf Freilaufhaltung setzt. … Weiterlesen Obst und Gefühle.

Vielleicht sogar ein Baumhaus.

Die funkelnden Tautropfen im Licht der Morgensonne. Raschelndes Laub unter den Füssen. Und Lieblingslieder, die sich wie ein wärmender Mantel um unsere Schultern legen. Die tanzenden Schneeflocken im Schein des Mondes. Duftender Asphalt nach dem Regen. Und Lieblingsmäntel, die von den Dingen der Vergangenheit erzählen. Die Welt gehört uns. Doch allzu oft wissen wir nicht … Weiterlesen Vielleicht sogar ein Baumhaus.

Frieren für dich.

Deine Haare, sie tanzen nicht, wenn der Wind weht; die Tropfen, sie glitzern nicht auf deiner Haut, wenn der Regen fällt; deine Lippen, sie zittern nicht, wenn es kalt ist; die Schneeflocken, sie schmelzen nicht auf deiner Hand, wenn der Winter kommt. Du frierst nicht, nicht mehr, nie mehr. Ich friere für dich. Ich friere, … Weiterlesen Frieren für dich.

Die Welt sehen.

Wer die Welt durch die Augen der Medien sieht, dürfte wohl kaum davon angetan sein, in ihr leben zu müssen. Es ist ein schrecklicher Mensch, der da irrgeleitet über Bildschirme und durch Zeitungsspalten geistert, zumeist begleitet von Gewalt und Angst, von Egoismus und zweifelhalfen Idealen. Es ist ein Gespenst, fest verankert in der Realität, sich … Weiterlesen Die Welt sehen.