Gegenüber.

Sie sitzen sich gegenüber, und sie sind nackt. Zwischen ihren Brüsten liegt ein Schatten, ein dunkles Tal, das über ihren Bauch zu ihrem Schoss führt. Seine Hände gleiten über ihren Körper, vorsichtig und leicht zitternd, als wäre die Haut aus dünnem Papier. Sie sind nackt. Jedoch wären sie es auch, wenn sie bekleidet wären. Sie … Weiterlesen Gegenüber.

Sie flüstert.

Zuweilen ist der Klang einer Berührung das lauteste Geräusch der Welt. Die Finger, warm und sanft, sie streicheln nur leicht ihre Haut, das Seidenpapier, das sie umhüllt, und dennoch dringen sie tief in sie ein. Nicht wie Nadeln und Messer, nicht wie üblich. Diese Finger, ihre Finger, sie sind lebendige Kreaturen, aus denen eine körperlose … Weiterlesen Sie flüstert.

Mondmenschen.

Jeder sei ein Mond und habe eine dunkle Seite, die er niemandem zeige, behauptete Mark Twain, und wie so oft ist anzunehmen, dass er Recht hatte. Das Lachen ist ein guter Lügner. Und oftmals ist es breit genug, um schwindelerregende Abgründe hinter sich zu verbergen. Die Augen sind der Wahrheit weitaus stärker verpflichtet. Doch nicht … Weiterlesen Mondmenschen.

Die Fackel hoch.

Am Anfang war alles so einfach, so widerstandslos, jeder Schritt war ein Schritt nach vorne, hinein in eine Verheißung, die sich jeden Tag aufs Neue erfüllte, und die Sonne schien ihr warm in den Rücken, die Sonne schien ihr warm ins Gesicht, dann blinzelte sie jeweils kurz, und alles blieb sich gleich, blieb gleich gut, … Weiterlesen Die Fackel hoch.

Unterholz.

Er ist skeptisch. Das ist er ständig, und zumeist erfährt seine Skepsis eine unheilvolle Bestätigung. Dann steht er für Sekundenbruchteile starr und stumm in der gefrorenen Zeit, bevor er dem Moment entflieht und ins Unterholz hastet, um seine Wunden zu lecken. Wunden gibt es immer. Man gewöhnt sich an sie, und dennoch tut man es … Weiterlesen Unterholz.

Die Umarmung im Innern.

Sie sind zu klein, sind zu leicht, und wenn die Winde wehen, treiben sie weg, treiben weg vom Gewohnten und hinein ins Ungewisse, und wenn nichts von Dauer und Beständigkeit ist, gibt es keine Absolutheit, sogar das Bekannte bleibt obskur, bleibt labil, die Wirklichkeit ist flüssig, ein Strom, der sich durch das Leben windet, stetig … Weiterlesen Die Umarmung im Innern.

Fallende Vasen.

Die Vase. Sie steht auf dem Tisch, scheinbar robust, mit Mustern bemalt, mit Blumen gefüllt. Wo sie ist, gehört sie hin, es ist ihr Platz in der Welt. Doch dann, vielleicht eine unglückliche Bewegung, ein unsachgemäßer Umgang, eine Unachtsamkeit, und die Vase, sie fällt zu Boden, zerbricht in einzelne Teile, kleine Fragmente splittern ab. Scherben … Weiterlesen Fallende Vasen.

Nackter.

Jeder Gedanke zerpflückt, jedes Wort analysiert, jede Geste bewertet, jeder Blick einsortiert, und trotzdem das Bohren in Wunden, das Schürfen nach Dingen, die nicht existieren, und wenn alles gesagt ist, wird nur noch gesprochen, wird nur noch geweint, und was klein ist, wird groß, und was groß ist, wird alles, und was alles ist, droht … Weiterlesen Nackter.

Trotz allem.

Kristalle haften an den Halmen, die Luft ist kalt und riecht nach dem Tod der alten Tage, vereinzelte Nebelfetzen hängen reglos über dem Boden, während die fernen Klagelaute eines verletzten Tieres die Stille zerschneiden. Das Feld ist karg und weit und leer. Man kann in jede Richtung gehen und kommt in jeder Richtung trotz allem … Weiterlesen Trotz allem.

Hinter Gittern.

Man muss kein Verbrechen begehen, um im Gefängnis zu landen, es bedarf keiner Mordwaffe, keines Blutvergiessens, um sich der Freiheit zu berauben, und auch ohne Prozess und Schuldspruch kann man zum Leben hinter Gittern verurteilt werden, ein Leben auf wenigen Quadratmetern, zwischen stummen Mauern, und da ist nicht genug Raum, um nach hinten fallen zu … Weiterlesen Hinter Gittern.

Seinung.

Sie kostet nichts, obwohl sie wertvoll ist, und dennoch wollen sich viele Menschen keine leisten. Das ist natürlich verständlich. Es bereitet Mühe, eine zu gestalten, zahlreiche Aspekte sind zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Wer schliesslich eine hat, spürt schnell den Gegenwind im Gesicht, dem es zu trotzen gilt, stösst auf Widerstände, die sich nur mit … Weiterlesen Seinung.

Der Sturm der Ruhe.

Ein Hund bellt in der Ferne. Er klingt traurig, seltsam müde. Er klagt und klagt an, wen oder was auch immer. Vielleicht liegen seine Besitzer im Bett, trunken von billigem Bier und schlechtem Fernsehen, und all der Schmutz in ihrem Leben verstopft ihre Ohren, lässt sie taub werden und das Winseln ungehört verhallen. Vielleicht auch … Weiterlesen Der Sturm der Ruhe.

Vertrauen auf das Vertrauen.

Vertrauen auf das Vertrauen und immer wieder erkennen, dass es blind ist und sein muss. Dass es keine Frage des Sehens ist. Sich das Vertrauen trauen, es sich zutrauen und darauf vertrauen, dass es trotz Missbrauchbarkeit nur brauchbar sein kann, wenn man es von den Fesseln der Kontrolle lässt. All das ist nicht leicht, doch es ist auch nicht leichtsinnig, zumindest sollte es das nicht sein, wenn … Weiterlesen Vertrauen auf das Vertrauen.