Teenager.

Man sitzt im Zug und liest, eher von Langeweile denn von Interesse getrieben, eine Zeitschriftenkolumne, verfasst von einem Herrn, dessen Jugendjahre offensichtlich unter dickem Staub vergraben liegen, denn genau darüber schreibt er, über die Jugendjahre, nicht über seine eigenen, sondern über jene der Menschen, die sie gegenwärtig erleben, und jeder Satz schreit förmlich nach größtmöglicher … Weiterlesen Teenager.

In ihrer Haut.

Die ersten Konturen schälen sich aus der Nacht. Kühles Licht in Grau und Grün tastet sich in den Raum. Marina hat erneut in ihren Kleidern geschlafen. In ihrem Hals steckt ein Stück Jutestoff, zumindest fühlt es sich so an. Das Schlucken fällt schwer, der Kopf schmerzt, da ist ein merkwürdiges Dröhnen und Fiepen. Aber Marina … Weiterlesen In ihrer Haut.

Moon River.

Er besucht seinen Vater im Krankenhaus. Eine Hüftoperation, nicht bedrohlich, aber notwendig. Man werde halt älter, sagt der Vater und wirkt dabei jünger als noch einige Monate zuvor. Dann erzählt der Vater von jenem Mann, mit dem er in den letzten Tagen das Krankenhauszimmer geteilt hat. Der ist vorhin gegangen, musste direkt weiter in die … Weiterlesen Moon River.

Salbe.

Man geht wegen Rückenschmerzen zum Arzt, und dieser stellt einige Fragen, macht einige Tests, verschreibt dann einige Medikamente und eine Salbe, und bei der Salbe hat man zwei Produkte zur Auswahl, eine rote Tube mit trivialen grafischen Symbolen und eine blaue Tube mit grünen Pflanzen, und man denkt, dass die blaue Tube mit den grünen … Weiterlesen Salbe.

Saba und Momo und Pepe.

Er sagt den Leuten, sie sollen ihn einfach Saba nennen. Eigentlich heißt er Sabahudin, doch er will niemandem das Aussprechen des ganzen Namens aufzwingen, er will auch keine Ursprünge erläutern; überhaupt will er möglichst nicht zur Last fallen. Momo ist einer von denen, die man die Jungen nennt, und eigentlich kann er diesbezüglich kaum widersprechen. … Weiterlesen Saba und Momo und Pepe.

Richtung.

Sie liegt auf ihrem Rücken und auf ihm, er liegt unter ihr und auf dem Bett. Ihre Augen sind geschlossen, es wäre sowieso zu dunkel, um etwas zu erkennen, und dennoch blicken sie in die gleiche Richtung. Seine Hände gleiten über ihren Körper, energisch und forsch, eine ungewohnte Vehemenz, die von Lust und Verlangen erzählt … Weiterlesen Richtung.

Auf dem Balkon.

Er weiß nicht, wann genau ein Mann zu einem alten Mann wird, doch er weiß, dass dieser Moment weit hinter ihm liegt. Seine Hände sind von Flecken übersät, und manchmal, wenn er sie zu Fäusten ballt, werden sie von unsichtbaren Messern durchbohrt. Ansonsten ist er gesund. Das Wort rüstig findet er furchtbar. Wenn er sie … Weiterlesen Auf dem Balkon.

Ungereimtheiten.

Will man sich einen Reim auf die Dinge des Lebens machen, ist man mit der englischen Sprache oftmals besser bedient. Hier finden zum Beispiel rain und pain ganz harmonisch zusammen, pain wird vom rain einfach weggewaschen, was eine überaus reinigende und befreiende Prozedur zu sein scheint. Auf Deutsch reimt sich vieles auf Regen, aber legen … Weiterlesen Ungereimtheiten.