Sie schleicht und kriecht; sie könnte eine Schnecke sein. Ohne Hast drängt sie vorwärts, überzieht ihren Weg mit zähem Schleim; sie verklebt das Herz, sie verklebt das Hirn, macht die Gedanken mürbe und müde. Sie kriecht und schleicht; sie könnte eine Schnecke sein.
Sie sticht und saugt; sie könnte eine Mücke sein. Unentwegt umschwirrt sie dich, ihr Surren dringt ein in deinen Kopf, zerrt an deinen Nerven. Unbemerkt setzt sie sich hin und setzt an; zieht dir das Blut aus dem Körper, lässt ihr Gift zurück. Sie saugt und sticht; sie könnte eine Mücke sein.
Sie krächzt und schaut; sie könnte eine Krähe sein. Reglos sitzt sie da, verfolgt jeden Schritt, den du machst, registriert jede Bewegung, jedes Innehalten, jedes kleine Muskelzucken. Sie tut nichts, aber sie ist nicht untätig. Sie wartet. Sie schaut und krächzt; sie könnte eine Krähe sein.
Sie lauert und giert; sie könnte eine Hyäne sein. Unaufhörlich umrundet sie dich, ihre Kreise sind einmal weit, dann wieder eng und enger. Sie reckt ihre Schnauze in den Wind, nimmt die Witterung auf, registriert deinen Geruch, deine Furcht. Sie giert und lauert; sie könnte eine Hyäne sein.
Sie zischt und züngelt; sie könnte eine Schlange sein. Mit ausdrucklosem Gesicht und kalten Augen starrt sie dich an, während sie sich hin und her windet. Sie bewegt sich bald nach links, bald nach rechts, nähert sich an und entfernt sich. Sie züngelt und zischt; sie könnte eine Schlange sein.
Sie bellt und geifert; sie könnte eine Hündin sein. Die Zunge hängt heraus, die spitzen Zähne treten hervor, der Speichel tropft zu Boden. Das Fell glänzt im Abendlicht, jeder Muskel im Leib ist angespannt, jede Bewegung ein Zeichen. Sie geifert und bellt; sie könnte eine Hündin sein.
Sie wartet und beobachtet; sie könnte eine Tarantel sein. Sie hockt in einer Ecke, hat acht Beine, acht Augen, unzählige Haare. Sie macht nichts, aber sie macht dich nervös. Sie wirkt bedrohlich, aber sie bedroht dich nicht. Sie beobachtet und wartet; sie könnte eine Tarantel sein.
Sieben Tiere könnte sie sein. Doch sie ist kein Tier. Sie ist ein Teil von dir. Und die Angst, die du spürst, ist nicht die Angst vor einem Tier. Die Angst, die du spürst, ist die Angst vor diesem Teil in dir. Aber vielleicht ist die Angst gar nicht nötig. Vielleicht reicht es, aufmerksam zu sein. Vielleicht kannst du sie einfach kriechen und stechen und krächzen und lauern und zischen und geifern und warten lassen. Und erkennen, dass sie dich beeinflusst, aber nicht ausmacht. Dass du sie im Griff hast. Und nicht sie dich. Sieben Tiere könnte sie sein. Doch sie ist ein Teil von dir.

Ich bin nett zu meinem Kleinzoo, weil, vertreiben lassen sie sich nicht. Nur wen ich füttere und womit, das entscheide ich. Danke für diesen guten Text! Und Grüße.
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Eine gute Haltung zum Kleinzoo… Vielen lieben Dank fürs Lesen und für deine Worte!
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