Schnaken können nicht stechen, das weiß man eigentlich, denn auch wenn Schnaken aussehen wie große Stechmücken, verfügen sie nur über sehr schwach ausgebildete Mundwerkzeuge, mit denen sie nicht in der Lage sind, die menschliche Haut zu durchdringen, und man weiß das, man weiß auch, dass die Schnaken mit ihren schwach ausgebildeten Mundwerkzeugen lediglich Flüssigkeiten wie Nektar oder Wasser aufnehmen können, man weiß also mit Bestimmtheit, dass Schnaken für uns Menschen völlig harmlos sind, man zweifelt nicht an dieser Tatsache, vertraut der Wissenschaft und Wikipedia und dem alten Nachschlagewerk zu den Wundern der Natur, das noch immer im Regal steht, und trotzdem wird man nervös, weil eine solche Schnake an der Wand im Wohnzimmer tanzt, man beobachtet diesen Tanz und möchte eine Art von Ehrfurcht empfinden, doch das Gefühl ist ein mulmiges, der Tanz der Schnake ist nicht beseelt von Eleganz und Grazie, wie dies Tänze mitunter sein können, und eigentlich sind die Bewegungen der Schnake gar kein Tanz, sondern eher ein nervöses Gehampel, obwohl Gehampel wohl auch nicht die richtige Beschreibung ist, wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo zwischen Tanz und Gehampel, doch mit der Wahrheit ist das so eine Sache, denn es ist ja auch die Wahrheit, dass Schnaken nicht stechen können, und trotzdem verspürt man diesbezüglich eine latente Unsicherheit, weil es eigentlich nachvollziehbar wäre, wenn Schnaken stechen könnten, schließlich erinnern sie an überdimensionale Stechmücken, und Stechmücken stechen, und zwar einerseits, um ihrem Namen gerecht zu werden, und andererseits, weil sie einfach fies und rücksichtlos sind und noch nie von Anstand, Humanität, Freundlichkeit, Rücksicht und Achtsamkeit gehört, um nur mal fünf Begriffe aufzuzählen, die im Wortschatz von Stechmücken offensichtlich fehlen, doch es geht ja nicht um Stechmücken, sondern um Schnaken, die ja eben keine Stechmücken sind, sondern nicht stechende Vertreter der Unterordnung der Mücken, und eigentlich geht es auch nicht einfach nur um Schnaken, sondern vor allem um diese diffuse Angst, von einer Schnake gestochen zu werden, die sich auch vom fundierten Wissen, dass Schnaken gar nicht stechen können, nicht vollständig bewältigen oder ausmerzen lässt, und wäre diese diffuse Angst, die sich jeglichem Wissen widersetzt, ausschließlich auf Schnaken beschränkt, wäre sie wohl zu banal und nebensächlich, um überhaupt Worte darüber zu verlieren, doch die Schnaken sind in diesem Zusammenhang vornehmlich ein Sinnbild, auch wenn es einem Sinnbild häufig nicht zuträglich ist, wenn man die Tatsache, dass es sich um ein solches handelt, explizit erläutert, aber man will vielleicht hin und wieder klarmachen, dass man nicht einfach vierhundert und mehr Wörter über Schnaken schreibt, sondern dabei an etwas Größeres denkt, an etwas Universelles vielleicht, zumindest aber, dass man im übertragenen Sinn denkt und schreibt, denn eben, bei diesen Schnaken geht es nicht nur um die tatsächlichen Schnaken, sondern um die metaphorischen Schnaken, die Schnaken sind das Monster unter dem Bett und das Gespenst im Schrank, die Schnaken tanzen und hampeln durch unsere Gesellschaft, die Schnaken sind all das, wovor wir uns fürchten, obwohl wir nicht müssten, und es gibt so viele Schnaken, immer und überall, die Schnaken stehen uns im Weg, wenn wir auf andere Menschen zugehen, mit ihnen reden wollen, die Schnaken drängen sich in scheinbar gefestigte Beziehungen, sie wecken unbegründete Animositäten und tanzen oder hampeln so lange an den Wänden, bis sich die Abneigung entlädt, in Wut, in Gewalt, vielleicht auch nur in unbedachte Äußerungen, und die Schnaken greifen in Zweisamkeit ein, aber auch in das gesamte gesellschaftliche Gefüge, die Schnaken kriechen durch jede Ritze im Konstrukt der Welt, und natürlich könnte man die Schnaken einfach erschlagen, das wäre eine nachvollziehbare Reaktion auf die Gefahr, von ihnen gestochen zu werden, aber das Problem ist, dass jene Schnaken, die tatsächlich stechen, nicht an den Wänden tanzen oder hampeln, sondern in unseren Köpfen, und dort drin kann man sie nicht erschlagen, kann nicht einmal das Fenster öffnen, damit sie hinausfliegen, und man kann sich vom Gehampel der Schnaken verrückt machen lassen, kann wütend werden und verzweifeln, aber man könnte ihnen auch hin und wieder einfach zuschauen, könnte ihren Tanz verfolgen, könnte womöglich einzelne Bewegungen nachvollziehen, und vielleicht könnte man irgendwann sogar eine Hand ausstrecken und es aushalten, wenn sich die Schnake darauf niederlässt, aber dieses «vielleicht» ist nicht leicht, aber es würde vieles leichter machen.

Ich mag diese zarten , überdimensional großen Wesen. Schon immer. Auch als kleines Mädchen jagten sie mir keinen Schrecken ein, ganz im Gegenteil, es faszinierte mich, wenn ich sie behutsam aufnahm (mit so einem weichen Griff) und sie über meine Hände gleiten ließ. Nie kam mir dabei in den Sinn, dass sie eventuell stechen könnten. Auch war ich immer (und bin es noch), dass sie ob ihrer Fragilität doch sehr robust sind; Beine gingen nie verloren, wenn mein weicher Griff sie aufnahm.
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… auch war ich immer verwundert (sollte es heißen) ;-oh
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Ich bin relativ sicher, ein weicher Griff (wie deiner) ist den Schnaken und der Welt weitaus besser dienlich als jede noch so harte Hand. Vielen lieben Dank dir fürs Lesen und für deine Worte…
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*schmunzel*
Liebe Grüße vom Finbar
PS: toll komponiert und geschrieben!
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Vielen Dank, lieber Finbar, da freuen sich die Schnaken – und ich mich sowieso…
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