Amadou.

17 Gedanken zu “Amadou.”

  1. nein, es ist keine Schande, Flüchtling zu sein, so schreibt die Fee, aber in dieser aktuellen Situation sieht er es nicht so abgeklärt und vernünftig (ist es vernünftig?, vielleicht ZU vernünftig? u. in einigen Jahren erst kann ER es auch erkennen) .
    Er ist mittendrin, noch nicht angekommen und braucht doch schon Kleider. Dabei hat seine See noch gar kein Kleid, noch ist sie nackt und bloß, aber für sie findet er kein Hemd und keine Hose, vielleicht ist er deshalb so wählerisch, weil er etwas fühlt, von dem er nicht weiß, was es ist…

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    1. Ja; nicht zu wissen, was man fühlt, nicht zu wissen, wo man steht, geografisch, gesellschaftlich, emotional; eine allgegenwärtige Orientierungslosigkeit, die wohl nicht so leicht nachzuvollziehen ist…
      Herzlichen Dank dir, liebe Bruni, für deine Worte…

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    1. so einfach ist das nicht…
      darin steckt doch all das und noch mehr, was in Disputniks gutem Text an Gedanken schon vorhanden war – Stolz, Würde und der Wunsch, alles wäre änders… vielleicht sogar Frust am Ende, Resignation – das Hemd bleibt zurück…
      Schwierige Kiste das alles. Verstehen auf beiden Seiten wird arg strapaziert.

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      1. Wir sind alle erst mal überfordert. Er, wir, sie… Er muß ankommen, erkennen, wo er ist und das er immer noch jemand ist. Aber hier ist alles so anders, ganz und gar fremd und auch uns ist er fremd… Dankbar wird er irgendwann sein, wenn er angekommen ist… irgendwann. Es sieht nur so aus, als sei er da… Ach, verdammt

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  2. Ich kenne das. Zu groß, zu klein, falsche Farbe, Loch drin oder Pilling dran, das Stück sieht getragen aus. Und doch nehme ich es gern, denn es ist funktional und zweckmäßig. Es ist nicht der neueste Trend im Shit von der Kleiderstange in der Boutique der Kleiderkammer. Es steht nicht mal ein Markenname drin. Doch es erfüllt einen Zweck, nämlich meinen und das für ganz ganz wenig Geld. So kann ich den Kindern auch noch was Schönes mitnehmen und gehe für 10 Euro mit einer kompletten Garderobe für uns drei (eine Große, zwei Kleine) in einer gespendeten großen Einkaufstüte nach Hause. Ich danke sämtlichen Leuten, die das spendeten und die Mitarbeiter nehmen sich Zeit in dieser Kleiderkammer, die ehrenamtlich engagierten Leute, die dort ihre Freizeit verbringen um Käufer zu beraten, ihnen zu helfen. Sie nehmen sich Zeit, doch ich weiß: Es warten noch andere. Auf meine Umkleidekabine, auf die Dame, die Tipps gibt, wenn eine Hose nicht richtig passt. Hosenkauf ist eh schwierig. Mitnehmen, zu Hause probieren und wiederbringen ist auch kein Problem. Habe ich auch gemacht. Das beiderseitige Bewusstsein ist da. Von den Leuten in der Kleiderkammer (ich helfe Dir, bitte bedenke, dass auch noch andere warten) und von mir, derjenigen, die am Ende am meisten profitieren darf. Die Stunden des Kleidersortierens, in die richtige Größe einordnen, an Stangen hängen, auswählen…zurücklegen, die Verwaltungsarbeit, all das kostet mich 10 Euro. Hilfe ist nicht selbstverständlich. Jedenfalls nicht in dem Sinn, das man sie mit Füßen tritt. Ich muss keine Sprache beherrschen, um mich zu freuen, wenn man mir hilft. Das kann ich zeigen, indem ich einfach mal nicht so wählerisch bin. Doch ich bin natürlich kein Flüchtling, sondern ich war mal bedürftig, wie man es so schön in Deutschland betitelt. Liebe Grüße

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    1. Nein, Hilfe ist nicht selbstverständlich, und Dankbarkeit ist wohl einer schönsten Wesenszüge, welche der Mensch aufweisen kann. Doch vielleicht sind die Dinge in manchen Situationen auch nicht einfach nur mit dem Wählerisch-Sein erklärt, manchmal geht es nicht um irgendwelche Ansprüche oder dergleichen, und Menschen wie Amadou dürften ihre Lektionen in Demut wohl zur Genüge gelernt haben…
      Herzlichen Dank dir fürs Lesen und für deine Gedanken, und liebe Grüsse zurück…

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      1. Ich frage mich gerade ob Dankbarkeit ein Wesens-Zug ist…hm…also falls ja, dann in manchen Fällen vielleicht einer, der sich erst erarbeitet werden muss…ich gehöre zu denen. Ich war schon ganz schön unzufrieden und haderte. Dann fiel es mir sehr schwer, Hilfe anzunehmen. Doch irgendwann konnte ich es. Und heute ist Zufriedenheit gleich Lebensqualität.
        Den Flüchtlingen wird werweißwas von den Schleppern erzählt. Ihnen ist kein Vorwurf zu machen, wenn das so ist und zu keiner Zeit würde ich die Bescheidenheit oder Demut dieser Menschen die gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen, in Frage stellen. Ich habe Freunde, die selbst Flüchtlinge waren. Sie haben mir erzählt, wie schwer es für sie war, die fremde Sprache zu lernen und sich den neuen Gepflogenheiten des Gastlandes anzupassen. Sie haben Diskriminierung erfahren, sie wurden mit Fremdenhass konfrontiert. Als sie hier in Deutschland ankamen, waren sie froh dass sie mit dem Leben davon gekommen waren. Es war so knapp gewesen. Solche Menschen begegnen mir hier auch. Es gibt solche und solche… Es gibt die, die mich mit dem Zettel in der Hand fragen, ob ich ihnen helfen kann. Ich spüre ihre Unsicherheit und ihre Angst. Sie stellen Fragen mit Händen und Füßen, Weil sie unsere Sprache noch nicht beherrschen. Teilweise erzählen sie fürchterliche Geschichten. Wenn ich mal jemanden begegne, der meine Sprache oder Englisch oder Französisch so verständlich spricht, dass ich ihn verstehen kann und wir miteinander reden können. Leider ist das nur sehr selten der Fall… Meistens sind sie mit ihrer Sprache lost in Translation…
        Es sind manchmal ganz spezielle Dialekte. Das haben mir ehrenamtliche Helfer erzählt. Es gibt Flüchtlinge, die einfach froh sind, wenn sie das bekommen, was sie zum Leben brauchen. Dankbar, will ich gar nicht mal sagen. Zufrieden ganz sicher auch nicht. Doch es ist etwas, das man erst einmal benutzen kann.
        Es ist funktionell, vielleicht nicht so schön. Nun ist Amadou ein junger Mann. Ich schätze ihn so ein, dass er ganz sicher noch Träume im Herzen hat und schön aussehen möchte. Er benimmt sich für mein empfinden sehr jugendlich…
        Und ja, es ist sogar sehr schade, dass sich niemand etwas mehr Zeit für ihn genommen hat. Damit er das Gefühl hat, dass jemand Zeit für ihn hat. Ihn ernst nimmt, ihn respektiert und achtet.
        Leider gibt es manchmal zu wenig ehrenamtliche Helfer… Es ist einfach ein großes Problem…
        Es gibt so viele Amadous…
        (Wunderschöner Name)

        Lieben Gruß und Dank für diesen Meinungsaustausch. Ich finde ihn sehr gut…

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      2. Zufriedenheit gleich Lebensqualität, oh ja, in vielerlei Hinsicht…
        Dass manche lost in translation sind, ja, absolut, die wenigen englischen Brocken reichen grad noch zum Leben; und allein darin liegt (manchmal) eine enorme Einsamkeit, Verlorenheit…
        Vielleicht ist’s in jeder Hinsicht schon mal sehr viel wert, wenn man nicht in erster Linie in Kategorien denkt. Wenn man anerkennen mag, dass es nicht den Flüchtling gibt, nicht die Einheimische, nicht die Helferin, nicht den Skeptiker. Sondern halt einfach Menschen.
        Ja, es gibt viele Amadous. Und es gibt viele Werners und Annas und Peters. Und miteinander ist’s in der Regel schöner als gegeneinander.
        Liebe Grüsse zurück und schönen Abend dir…

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      3. Du benennst etwas, das im Grundgesetz steht: die Menschenwürde eines jeden einzelnen. Ihr sollte in allen Begegnungen grundsätzlich in Form gegenseitiger Achtung statt gegeben werden. Geschieht Achtung nur einseitig, kippt die Balance. Es ist keine Schande, ein Flüchtling zu sein, auch keine, ein Helfer zu sein, auch keine, skeptisch zu sein, doch es ist eine, herzlos, unmenschlich und unnachgiebig zu sein…
        Ich wünsche Dir ebenfalls einen schönen Abend 🙂

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