Abbiegen.

8 Gedanken zu “Abbiegen.”

  1. Ich hatte einen ähnlichen Gedanken dazu wie Bruni – Warum ausgerechnet im Kreis fahren, um dem Vergehen der Zeit zu entkommen? Man verschwendet doch nur Zeit, verliert sie, indem man sich solch sinnlosen (und nebenbei nicht einmal interessanten oder amüsanten) Tätigkeiten hingibt. Man verliert, weil man nur flüchtet, und das Problem wird immer größer.
    Dachte ich im ersten Moment.

    Dann habe ich überlegt, dass Zeit im Endeffekt doch auch nur relativ ist, und ohnehin nicht einzuschätzen; wer weiß schon, ob er noch zwei Tage zu leben hat oder dreißig Jahre, und was zählt bei diesem Gedanken noch Zeit?
    Die Zeit überlisten. Zeit bedeutet nichts in einem Brei aus Beton und unbekannten da immer neuen Menschen.
    Dessen ist sich diese Frau bewusst, im Gegensatz zum Rest der Welt.
    Außerdem, was ich immer so gerne sage: Jede Entscheidung ist besser als keine, und das gilt auch für Bewegung und Stillstand. Lieber im Kreis fahren als still zu stehen.

    Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass deine Protagonistin eine interessante Mischung ist: Einerseits ist sie sich der Eintönigkeit bewusst, die andere stets auf der „gleichen Strecke“ hält, andererseits wünscht sie sich Eintönigkeit aus Angst und auf der Suche nach Sicherheit; sogar in noch schlimmerer Form als immerzu auf der gleichen Strecke, nämlich endlos im Kreis.

    Es ist eine feige Flucht, aus Angst vor Sackgassen keine unbekannten Routen mehr anzufahren, und es ist eine furchtbare Entscheidung, sich der Eintönigkeit der anderen bewusst zu sein und sich trotzdem selbst in eine noch viel extremere zu stürzen.

    Danke für diesen Text, bei dem ich so lange gebraucht habe, mir aus mehrmals wechselnden, gegensätzlichen Gedanken eine Meinung zu bilden.
    Liebe Grüße!

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    1. Wenn ein Text länger präsent zu bleiben vermag als nur während der reinen Lesezeit, ist das wunderbar, und ich danke dir sehr dafür, dass du hinein- und weiterdenken mochtest.
      Dass die Protagonistin stets die gleiche Strecke und im Kreis fährt, hat vielleicht tatsächlich sehr viel mit Angst zu tun, die Angst vor dem Ungewissen, die sich am besten durch die Sicherheit des Gewohnten mindern lässt, zumindest in ihren Augen. Natürlich wird sie nicht bis ans Ende ihres Lebens diese Runde drehen, wird irgendwann einmal geradeaus fahren oder links abbiegen, die Richtung ändern. Aber eine Zeit lang braucht sie diese Gewissheit, den Weg genau zu kennen und keine Orientierungslosigkeit zu fürchten. Vielleicht. Vielleicht ist es auch ganz anders.
      Bewegung und Stillstand. Braucht es nicht beides? Es kommt nur darauf an, wie man sie verteilt.
      Nochmals herzlichen Dank dir für die Zeit, die du meinem Text geschenkt hast, für deine Gedanken und Worte.
      Liebe Grüsse zurück

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  2. immer im Kreise fahren, nach rechts wieder rechts und immer so weiter – was für eine Idee, um der Zeit zu entrinnen *lächel* nicht übel, aber ob das der richtige Weg überhaupt und dafür sein kann?
    Na ja, es wäre auszuprobieren 🙂
    Doch mir wäre es auf die Dauer zu langweilig. Auch das Geradeaus macht Kurven und schlängelt sich weiter, auch wenn schmale und morastige Stellen vor einem liegen, wenn Hindernisse sich in den Weg stellen, ein Teil des Weges wie abgebrochen scheint und sich ein Abgrund auftut, wo keiner sein dürfte – es gibt eine Brücke, aber hinter einer Kurve versteckt und auch die steuern wir an, bewältigen sie und die Anhöhen, die manchmal so unüberwindlich scheinen, sie nehmen wir in Kauf, um nicht immer im Kreise zu fahren oder auch zu laufen…

    Sehr Gedanken anregend, Dein Abbiegetext, lieber Disputnik – Du kannst es gut erkennen *räusper mich ein wenig*

    PS um die Zeit zu überlisten, müssen wir wieder werden wir die Kinder, denn wenn ich mich noch richtig erinnere, dann war Weihnachten in einem Jahr damals so weit entfernt, wie der Mann im Mond von mir, aber heute, da kommt Weihnachten unentwegt. Kaum habe ich es aus meinen Gedanken verdrängt, da kommt es schon wieder angerannt…
    und legt mir die Tannenzweige in die Hand.

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    1. Ich mag das sehr, wenn du dich zu Gedankengängen und Gedankenfahrten anregen lässt, liebe Bruni… Ja, auch das Geradeaus macht Kurven, biegt um Ecken, klettert und fällt. Anders geht es nicht und sollte es auch nicht sein, denn schnurstracks geradeaus ist wohl genauso langweilig wie stetig im Kreis…
      Vielen Dank fürs Lesen und für deine Gedanken. Und liebe Grüsse… (Und ja, nicht nur Weihnachten kommt immer schneller des Weges, je länger man darauf geht…)

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