«Für so was haben sie dann wieder Geld», pflegte der Vater zu sagen, wenn die Sonne zu morgendlicher oder abendlicher Stunde die Welt in bunten Farbtönen anmalte und man staunend die Augen ganz weit aufriss, um möglichst viel von diesem warmen und weichen Licht in sich aufnehmen zu können.
Sein Satz hätte sich als grundsätzliche Kritik am nachlässigen Umgang der Obrigkeiten mit fiskalischen Mitteln deuten lassen, auch hätte man einen Bezug zu höheren Mächten herstellen oder sogar eine Verschwörungstheorie herauslesen können. Doch vielleicht war es lediglich seine Art, der eigenen Sprachlosigkeit Ausdruck zu verleihen und für einen Moment, für den die richtigen Worte fehlen, zumindest andere Worte zu finden. Und womöglich wurzelte die Aussage auch in seinem Unvermögen, ein berückendes Ereignis adäquat zu verarbeiten und sich der Schönheit des Anblicks hinzugeben; ein Unvermögen, welches er mit einer Prise Humor zu umkurven versuchte.
«Für so was haben sie dann wieder Geld», pflegte der Vater zu sagen, wenn die Sonne zu morgendlicher oder abendlicher Stunde die Welt in bunten Farbtönen anmalte, und weil derartige Himmelsgemälde relativ häufig zu sehen waren, war der Satz des Vaters auch relativ häufig zu hören. Erstaunlicherweise war der Satz selbst dann zu hören, wenn der Vater ihn gar nicht sprach. Er ist sogar jetzt noch zu hören, obwohl die Stimme des Vaters verstummt ist.
In einer Zeit, die unglaublich geschwätzig ist, und in einer Welt, die unaufhörlich nach Erklärungen und Definitionen verlangt, ist es seltsam tröstlich, dass es für manches keine richtigen Worte und keine passende Sprache gibt. Dass man gewisse Dinge nur ausdrücken kann, indem man etwas ganz anderes sagt. Dass man das Fehlen von Stimmen oder die Schönheit des Himmels zwar nicht erklären, aber umschreiben oder wenigstens formulieren kann. Irgendwie.
«Für so was haben sie dann wieder Geld.»
