Da kann man einfach nichts machen, sagt jemand, und jemand hat ja recht, manchmal kann man tatsächlich nichts machen, manche Dinge passieren einfach, ziemlich viele Ereignisse ereignen sich ohne eigenes Zutun, und in solchen Fällen muss man die Geschehnisse geschehen lassen, muss dem Lauf der Zeit seinen Lauf und seine Zeit lassen.
Wenn man zum Beispiel eine Straße entlang geht und plötzlich von Vogelkot am Kopf getroffen wird, ist das eine Angelegenheit, auf die man nur wenig Einfluss hat. Natürlich hätte man es vermeiden können, genau zu jener Zeit genau jene Straße entlangzugehen, aber hin und wieder muss man Straßen entlanggehen, man kann ja nicht immer nur in der eigenen Wohnung hocken, da kann die Wohnung noch so gemütlich eingerichtet sein. Wenn man dann also rausgeht und auf der Straße von Vogelkot getroffen wird, trägt man daran keine Schuld. Schuld ist der Vogel. Wenn der Vogel scheißt und man genau in jenem Moment dort entlanggeht, wo der Kot hinfällt, kann man tatsächlich nichts machen, das passiert einfach, das ist einfach eine Scheißsituation.
Manchmal macht man es sich aber auch einfach zu einfach, wenn man einfach sagt, dass man einfach nichts machen kann. So einfach ist es nämlich nicht, zumindest nicht immer. Denn häufig geht es nicht darum, dass man nichts machen kann. Sondern darum, dass man nichts machen will. Und dass man nichts machen will, liegt nicht selten daran, dass man glaubt, dass es nichts nützen würde. Dass man nichts beeinflussen, nichts verändern könnte.
Es läuft einiges schief in der Welt. Fremdenhass, Homophobie, toxische Männlichkeit, Misogynie, Korruption, Machtmissbrauch, Kriege, Genozide, Hungersnöte, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Verschwörungstheorien, nicht zu vergessen das Aussterben des Jangtse-Flussdelfins. Die Aufzählung ist nicht abschließend.
Das sind alles Themen, die so groß und komplex und weitläufig und umfassend sind, dass man als einzelner Mensch wohl ziemlich überfordert ist. Man ist dann vielleicht geneigt zu denken, dass man sowieso nichts bewirken kann. Man kann das Schieflaufende nicht begradigen, kann keines dieser Undinge im Alleingang ausmerzen und kann auch den Jangtse-Flussdelfin nicht mehr retten. Und ob dieser Ohnmacht ist es vielleicht nachvollziehbar, dass man mit den Schultern zuckt und die Hände in den Schoß legt.
Doch eigentlich ist es ein ziemliches Unding, die Hände in den Schoß zu legen und sie dann dort liegen zu lassen, als wären sie unnütze Objekte. Wenn man seine Hände schon in den Schoß legt, kann man genauso gut auch etwas mit ihnen anfangen, kann einen Schal stricken oder sich der Weichheit der Fingerkuppen bewusst werden oder beim Rubikwürfel die Farben richtig ordnen oder sich selbst befriedigen.
Noch besser wäre es aber, die Hände gar nicht erst in den Schoß zu legen. Sondern sie zu nutzen, sie zu gebrauchen. Und nicht nur die Hände, sondern auch die Augen, die Ohren, den Mund. Man muss nicht gleich eine Revolution ausrufen. Aber zumindest hinschauen, hinhören, etwas sagen. Man kann es sich auch einfach machen und einfach einen einfachen Text darüber schreiben. Das ist billig. Aber immer noch besser als die Hände im Schoß. Denn mit den Händen im Schoß bleibt auch der Vogelkot auf dem Kopf.
